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Virtuelle Stadt-Spaziergänge - mit Haken und Datenschutz-Bedenken
In anderen Ländern gab es Street View da schon bis zu drei Jahre lang – und noch heute hinkt Deutschland hinterher, wenn es um die Anzahl der Städte geht, die der Straßenbilder-Dienst fotografierte und online stellte. Allerdings ist die geringe Ausbeute, die Google hierzulande machte, den vielen Kritikern sehr recht, dem Datenschutz zuliebe.
Für die Gemeinde Oberstaufen freilich war es ein Glückstag, als Google ihre Straßenzüge – auf eine eigene Bewerbung hin – im Internet präsentierte. Es sei „aus touristischer Sicht nur zu begrüßen, wenn man überall in der Welt einen virtuellen Spaziergang durch Oberstaufen machen kann“, ließ der Bürgermeister wissen. Außer den Bildern vom Allgäu-Kurort gingen am 2. November 2010 nur noch Google-Fotos von einigen bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Brandenburger Tor sowie von zehn Bundesliga-Stadien ins Netz, darunter das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern.
244.000 Haushalte ließen Gebäude verpixeln
Erst zwei Wochen später fanden die Straßen von 20 großen deutschen Städten im Street View-Schaufenster ihren Platz, darunter Mannheim, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Berlin, München und Hamburg – mit allerdings mehr oder weniger großen Lücken in der Darstellung. Rund 244.000 Haushalte in den 20 Städten ließen ihre Gebäude verpixeln, also unkenntlich machen, um anonymen Street-View-Nutzern den Anblick zu verwehren. Um keinen Ärger zu bekommen, war der Internet-Riese bereit, Anträgen betroffener Eigentümer und Mieter auf Schutz ihrer Privatsphäre zu entsprechen. „Ich kann Google nur davor warnen, den Datenschutz auf die leichte Schulter zu nehmen“, hatte die damalige Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger gemahnt. Gesichter und Autokennzeichen zeigte Google ohnehin nur verschwommen, wobei Ehepartner oder gute Bekannte wohl doch ahnen konnten, wer da abgebildet war an einem Ort, der möglicherweise geheim bleiben sollte.
Über das Pro oder Contra gibt es unverändert Streit. Dabei dürfte selbst mancher Dienste-Gegner, der sein eigenes Haus verpixeln ließ, selbst schon nachgeschaut haben, wie es anderswo aussieht. Das nächste Urlaubsziel im Ausland – mit einem Klick auf das kleine gelbe Männchen im Google-Atlas Maps erscheinen 360-Grad-Aufnahmen von dort auf PC-Monitor oder Smartphone-Display. Die blauen Linien und Punkte in den eingeblendeten Städten markieren, von wo überall Street-View-Bilder abrufbar sind.
Noch gibt es kaum Konkurrenz für Street View
Längst viel blauer als in Deutschland ist es auf den Landkarten der meisten anderen europäischen Staaten. Die USA lassen sich sogar bis in die tiefste Provinz hinein virtuell durchwandern. Weltweit hat Google nach eigenen Angaben Fotos von 16 Millionen Kilometern Wegstrecke, dem 400-fachen Erdumfang, im Bestand. Microsofts Konkurrenz-Dienst „Streetside“ hielt da nie mit und gab 2012 in Deutschland auf. Apple knipst erst seit 2019 in deutschen Straßen, ohne dass klar ist, ob dessen „Look Around“-Angebot die Bilder je verwenden wird, und der schwedische Newcomer Mapillary ist noch wenig bekannt.
Da auch Google seine ab 2008 gemachten Aufnahmen aus deutschen Städten nicht mehr aktualisierte, spricht die Nutzer-Community bereits von einer „Zeitreise in die Vergangenheit“, wenn es um Ansichten aus Deutschland geht. So zeigt sich der Mannheimer Paradeplatz bei Street View im Aussehen von September 2008. Dass das Stadtbild von Hamburg die 2016 fertiggestellte Elbphilharmonie enthält, hat Street View Privatleuten zu verdanken, die dem Google-Angebot folgten, eigene Aufnahmen in die Kartenplattform einzuspeisen. Auch viele Geschäftsleute, die ihr Firmengebäude oder etwa ein Hotel bildhaft vorstellen möchten, nehmen diese Möglichkeit wahr.
Aktuelle Fotos nicht für Street View
Seit Juli dieses Jahres fahren Google-Autos nun wieder durch deutsche Straßen, zu erkennen an den auffälligen Kameras auf dem Dach. Auch in etlichen Städten und Landkreisen in der Pfalz sollen die Fahrzeuge aufgetaucht sein oder noch auftauchen, um Bilder zu machen. Laut Google werden diese aber nicht für Street View verwendet, sondern um Google Maps zu verbessern mit aktuellen Streckenführungen und Straßennamen sowie Informationen über Geschäfte und andere Orte. Es gebe keine Pläne, das Bildmaterial zu veröffentlichen, beteuert das Unternehmen.