Wirtschaft Unpünktlich erst ab 15 Minuten Verspätung?
«Ludwigshafen.» Im Februar waren die Pünktlichkeitswerte der Deutschen Bahn (DB) etwas besser als im Januar, allerdings hatte immer noch jeder fünfte Fernzug mehr als fünf Minuten Verspätung. Bei der DB gibt es nun Pläne, durch eine andere Statistik zu besseren Zahlen zu kommen, in der Züge erst ab 15 Minuten als verspätet gewertet werden.
Im Februar waren 80 Prozent der Fernzüge pünktlich, im Januar dagegen nur 76,3 Prozent. Im Nahverkehr verbesserte sich der Pünktlichkeitswert von 94,6 Prozent im Januar auf 95,3 Prozent im Februar. Als pünktlich im Sinne dieser Statistik wertet die DB Züge mit einer Verspätung von maximal fünf Minuten. Derzeit spricht allerdings einiges dafür, dass die März-Werte wieder schlechter sein werden. Am 10. März hatt das Sturmtief Eberhard den Zugverkehr vor allem in Nordrhein-Westfalen massiv gestört und zu großen Verspätungen geführt. Deutlich höher als der Anteil der Züge, die maximal fünf Minuten Verspätung haben, ist der mit maximal 15 Minuten Verspätung (siehe Grafik). Die DB würde es gerne sehen, wenn die schlechtere Fünf-Minuten-Pünktlichkeit weniger beachtet würde und die bessere 15-Minuten-Pünktlichkeit stärker – nicht zuletzt deswegen, weil in Statistiken über die Pünktlichkeit im Flugverkehr meist die 15-Minuten-Grenze verwendet wird. Dazu soll eine neue Statistik dienen, die allerdings die bisher ausgewiesenen Fünf-Minuten-Werte nicht ersetzen, sondern zusätzlich zu den bisher veröffentlichten Daten verfügbar sein soll. Die Pläne für die ergänzenden Berechnungen sehen nach DB-Angaben so aus: Es soll nachvollziehbar sein, ob Reisende im Fernverkehr am Ende ihrer gesamten Reise pünktlich angekommen sind. Dabei wird ein mögliches Umsteigen berücksichtigt, allerdings nur, wenn es um den Anschluss an einen Fernzug geht. Der Nahverkehr soll nicht in die ergänzenden Berechnungen einfließen. Die DB will mithilfe von vorhandenen Buchungsdaten von rund 270.000 Reisenden die Fahrzeiten für die täglich rund 400.000 Fahrgäste simulieren und die Pünktlichkeit hochrechnen. Die Daten sollen mit den Pünktlichkeitsdaten der etwa 7000 Fernzug-Halte verknüpft werden. Die Bahn schlägt vor, in dieser Statistik erst bei mehr als 15 Minuten nach der fahrplanmäßigen Ankunftszeit am Zielbahnhof von einer Verspätung zu sprechen. In der Schweiz gibt es schon eine solche Berechnung zur Gesamtreise eines Bahnkunden – allerdings mit strengen Werten. „Pünktlich sind bei uns Reisende, wenn sie am Umsteigeort ihren Anschlusszug erreichen und am Zielort mit weniger als drei Minuten Verspätung ankommen“, erläutern die Schweizerischen Bundesbahnen ihre strengen Messkriterien, die sie in etwa jedem neunten Fall verfehlen. Kommentar