Fotovoltaik RHEINPFALZ Plus Artikel Strom vom Dach am besten selbst nutzen

Die Klimaschutzdiskussion hat das Thema Fotovoltaik-Anlagen weiter aufgewertet.
Die Klimaschutzdiskussion hat das Thema Fotovoltaik-Anlagen weiter aufgewertet.

Viele Hausbesitzer denken über die Installation einer Fotovoltaik-Anlage nach – oder den Weiterbetrieb einer bereits vorhandenen. Für beide Fälle gilt: Je mehr Strom vom Dach der Haushalt selbst verbraucht, desto eher lohnt sich das. Hier die wichtigsten Hinweise.

Mit dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wurden seit seiner Einführung im Jahr 2000 viele Fotovoltaik-Anlagen gefördert. Die Förderhöhe lag damals bei rund 99 Pfennig pro Kilowattstunde (kWh), also rund 44 Cent, allerdings beschränkt auf die Dauer von 20 Jahren. Immer mehr Altanlagen fallen in den nächsten Jahren aus der EEG-Förderung heraus. Berechnungen zufolge sind das bis 2033 insgesamt mehr als eine Million Solaranlagen. Die meisten könnten problemlos weiter betrieben werden. Aber ist es für die Anlagenbetreiber auch wirtschaftlich?

Die Rentabilität einer Fotovoltaik-Anlage (PV-A) hängt von einigen kaum veränderbaren Dingen ab: der Ausrichtung, Neigung und Verschattung des Daches etwa und der Größe der Anlage, die dort Platz hat. An einem Faktor jedoch kann der Besitzer drehen: an seinem Eigenverbrauch an erzeugtem Strom. „Wir raten dazu, möglichst viel des Solarstroms selbst sinnvoll zu nutzen, das spart die weit höheren Ausgaben für Strom vom Versorger und macht unabhängiger von ihm. Der Umwelt hilft die Investition sowieso“, sagt Hans Weinreuter, Fachbereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Rentiert sich eine neue Anlage?

Rheinland-Pfalz hat kürzlich ein Solarkataster online gestellt, mit dem Hausbesitzer den Stromertrag und die Wirtschaftlichkeit einer PV-A für die eigene Dachfläche grob abschätzen können (solarkataster.rlp.de). Beeinflusst wird die Rendite unter anderem von den Anschaffungs- und laufenden Kosten etwa für Wartung und Versicherung, der Finanzierung - und eben dem Eigenverbrauchsanteil. Überschüssiger Solarstrom kann gegen Entgelt ins öffentliche Netz eingespeist werden. Nach Einschätzung der Stiftung Warentest rentiert sich die Investition „auf einem geeigneten Dach“ fast immer. „Ideal ist die Ausrichtung nach Südwest bis Südost und eine Dachneigung von 20 bis 40 Grad“, so die Stiftung. Tipp: Die Verbraucherzentrale ermittelt auf Wunsch kostenlos das persönliche Einsparpotenzial bei Installation einer PV-A. Dazu stellt sie einen Erfassungsbogen bereit, in den Daten wie Dachausrichtung und -neigung sowie der jährliche Stromverbrauch eingetragen werden können. Einen Erfassungsbogen gibt es auch für PV-A auf Balkonen (verbraucherzentrale-rlp.de/solarstorm-zuhause).

Wie viel spart der Eigenverbrauch?

Strom vom Dach kostet der Verbraucherzentrale zufolge nur etwa 11 Cent je kWh bei einer Anlagengröße von 10 Kilowattpeak (kWp), Strom aus dem Netz jedoch bis zu etwa 29 Cent je kWh. Für realistisch halten es die Verbraucherschützer, etwa 20 bis 40 Prozent des Stromverbrauchs durch eine PV-A dieser Größe zu decken. Beispiel: Bei einem gesamten jährlichen Stromverbrauch von 4000 kWh beläuft sich die Einsparung bei 20-prozentiger Eigenversorgung auf rund 140 Euro im Jahr oder 2880 Euro in 20 Jahren. „Gelingt es, den Eigenanteil auf 40 Prozent zu steigern, erhöht sich die Ersparnis auf 5760 Euro in 20 Jahren. Mögliche künftige Strompreisänderungen sind nicht vorhersehbar und deshalb hier nicht einbezogen“, sagt Experte Weinreuter. Die Zeitdauer, bis die Erstinvestition wieder hereingeholt ist, veranschlagt er „auf in der Regel zwölf bis 14 Jahre in guter Sonnenlage und wenn bauliche Bedingungen die Installation nicht erschweren“.Wie steigere ich meinen Eigenverbrauch? Am einfachsten ist eine Verhaltensänderung – etwa indem man die Wasch- und Spülmaschine nur bei Sonnenschein laufen lässt. „Mit programmierbaren Geräten gelingt das auch, wenn man tagsüber nicht zu Hause ist“, so Weinreuter. Wirtschaftlich attraktiv könne in Haushalten mit zentraler Warmwasserbereitung auch die Nutzung eines PV-Heizstabs sein, um damit Öl oder Gas zu sparen. Autofahrer, die sich ein Elektrofahrzeug kaufen, sparten Geld durch das Laden mit eigenem Solarstrom.

Hilft ein Batteriespeicher?

Statt überschüssigen Strom ins Netz einzuspeisen, kann er auch gespeichert und später genutzt werden, etwa in der Nacht. Das klingt nach Ideallösung – ist es häufig aber nicht, trotz des Nachfrage-Booms, von dem der Bundesverband Solarwirtschaft spricht. „Denn die Anschaffungskosten sind zu hoch. Die Speicher kosten etwa 700 bis 1200 Euro je Kilowattstunde Kapazität“, ermittelte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Außerdem legten die Anbieter ihren Kalkulationen unrealistisch hohe Strompreissteigerungen zugrunde. Wer sich dennoch für die Anschaffung entscheide, solle die Speicherkapazität am eigenen Stromverbrauch orientieren, das heißt etwa eine kWh Speicherkapazität pro 1000 kWh Jahresstromverbrauch einplanen. Tipp: Das Land Rheinland-Pfalz fördert Heimspeicher ab 5 kWh mit 100 Euro pro kWh Kapazität (maximal 1000 Euro) bei Neuinstallation einer PV-A mit mindestens 5 kWp Leistung.

Was ist mit Bestandsanlagen?

Für die ersten PV-A, die in Deutschland installiert wurden, endete am 31. Dezember 2020 die 20-jährige Förderung. Laut Gesetz muss der Netzbetreiber, zunächst befristet bis 2027, weiterhin Strom aus diesen sogenannten Ü20-Anlagen abnehmen und eine Einspeisevergütung für den erzeugten Strom zahlen. Laut Verbraucherzentrale hängt deren Höhe vom Börsenstrompreis ab „und wird voraussichtlich nur noch etwa 3 oder 3,5 Cent pro kWh betragen“.

Lohnt sich der Weiterbetrieb?

Belässt es der Hausbesitzer dabei, den Strom zu verkaufen statt einen Teil selbst zu nutzen, „dürfte das finanziell in der Regel zu einem kleinen Verlustgeschäft werden, da weiterhin laufende Kosten anfallen“, vermutet Experte Weinreuter. Bei einer Umstellung auf teilweisen Eigenverbrauch sieht er aber weiterhin eine Renditechance – vorausgesetzt, die Anlage ist noch gut in Schuss, und es sind keine Reparaturen absehbar. Deshalb lautet sein Rat: Erst nach einem Anlagen-Check durch einen Fachmann entscheiden, ob es sich lohnt, die Umstellungskosten zu tragen, etwa für elektrotechnische Arbeiten am Zähler.

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