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Sprachlos? Übersetzungsprogramme können helfen
Am Rechner war die Lage bisher übersichtlich: Google Translate und Microsoft Übersetzer sind hier bewährte Dienste. Beide Hersteller setzen schon lange auf künstliche Intelligenz als Basistechnologie und riesige Sprachbibliotheken, die permanent erweitert werden, um die Programme mit neuen Sprachmustern zu trainieren. Auch die Algorithmen lernen dabei beständig hinzu. Trotzdem haben beide Dienste bei anspruchsvolleren Texten ihre Probleme.
In vielen Fällen besser ist eine deutsche Alternative namens Deepl. Das Unternehmen aus Köln wurde von einem Ex-Google-Mitarbeiter gegründet. Deepl basiert auf einem riesigen Fundus von mehrsprachig geschriebenen Texten, die im Internet gesammelt wurden. Eine Künstliche Intelligenz sorgt hier für Übersetzungen mit deutlich weniger unfreiwilligen Belustigungen. Deepl lässt sich über die Website deepl.com in jedem Webbrowser öffnen.
Begrenzte Textlänge
Am Smartphone ist eine App natürlich praktischer. Die gibt es für alle gängigen Systeme kostenlos. Leider lassen sich bei den Apps wie bei der Webanwendung nur noch Texte mit einer Länge von bis zu 1000 Zeichen, also einer halben Schreibmaschinenseite kopieren und automatisch in eine von 40 Sprachen übersetzen. Ehedem waren das noch 5000 Zeichen. Aber Deepl war zu beliebt. Und deshalb wurden gestaffelte Aboangebote eingeführt. Wer viel Text auf ordentlichem Standard übersetzt haben will, menschliche Übersetzer aber zu teuer findet, bekommt hier ein Angebot mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Um die „Sprachprobleme“ von Normalusern kümmern sich verstärkt auch die großen Plattformunternehmen wie Microsoft und Google. Microsoft ist Mehrheitseigner von OpenAI, die wiederum sind Entwickler von Chat GPT, dem weit verbreiteten „großen Sprachmodell“ mit künstlicher Intelligenz. Microsoft wird nun seinen intelligenten Assistenten Copilot mit Chat GPT-4 Turbo aufrüsten. Wer Microsoft Edge als Browser nutzt, wird mit der Suchmaschine Bing direkt auf GPT zugreifen können. Copilot soll Zug um Zug in alle erdenklichen Microsoft-Programme integriert werden. Microsoft spricht von den „kommenden Wochen“; rechnen wir also mit Januar 2024.
GPT-4 Turbo kann mehr
GPT-4 Turbo ist allerdings kein spezielles Übersetzungsprogramm. Es ist ein multimodales Programm, kann daher viel mehr, aber eben auch übersetzen. Die KI kann mit Texten, Bildern und Stimmeingabe umgehen. Wer ein Bild hochlädt, bekommt dann sofort passende Fragen vorgestellt, die mit dem Bild zu tun haben könnten. Die KI kann unklare Suchanfragen auch interpretieren und in eine Form übertragen, die zu besseren Suchergebnissen führt. Dabei sind aber Wartezeiten einzurechnen.
Die Unterschiede bei der Übersetzung gegenüber Deepl: Letztere ist grammatisch präziser und kennt sich auch mit feststehenden Fachausdrücken besser aus. Dafür ist GPT-4 Turbo alltagstauglicher. Saloppe Ausdrücke, Slang oder Dialekt kennt die KI wegen ihres offeneren Trainings eher. Sie kann also auch mehrdeutige Wörter oder Sätze angemessener übersetzen, weil sie jeweils einen größeren Kontext „im Blick“ hat. Das hilft auch bei längeren Übersetzungen. GPT analysiert solche Texte in einem Rutsch und prüft, ob die Übersetzung insgesamt stimmig ist und zum Thema des Textes passt. Der Nachteil: Manchmal gerät GPT ins Schwätzen und produziert mehr Text als für eine präzise Übersetzung nötig ist.
Gegner Google
Bei solchen Fortschritten der Konkurrenz darf Google nicht zurückstehen. Das Mutterhaus Alphabet hatte im Frühjahr seine KI-Forschung unter dem Label „Deep Mind“ zusammengefasst. Gegner ist vor allem Microsoft. Vor wenigen Tagen hat Google nun sein neuestes KI-Modell namens Translatotron 3 vorgestellt. Die Vorläufer mit den Versionsnummern 1 und 2 waren in der Öffentlichkeit nicht sonderlich präsent. Nr. 3 soll nun Echtzeit-Übersetzungen ermöglichen.
Dabei kommt die neue KI ohne umfangreiche parallele Sprachbestände bei Ausgangs- und Zielsprache aus. Auch seltene Sprachen ohne umfassende Trainingsdaten sollen auf Basis neuer Algorithmen angemessen übersetzt werden können. Translatotron lernt unüberwacht. Fehler muss die KI also selbst erkennen und verbessern. Die größere Autonomie bedeutet auch schnelleren Kompetenzzuwachs gegenüber überwachtem Lernen durch Menschen. Die Technologie soll in möglichst viele Geräte, vor allem aber Android-Smartphones integriert werden. Damit würde das Smartphone zum mobilen Direktübersetzer werden. Im Ausland gäbe es dann nur noch abnehmend Probleme bei der Verständigung. Man spricht ins Handy, und die KI gibt per Lautsprecher umgehend die Übersetzung an den Gesprächspartner weiter.
Smartphone als Assistent
Damit würde das Smartphone noch deutlicher in die Rolle des persönlichen Universalassistenten hineinwachsen. Für mobile Sprachcomputer im schlanken Smartphone-Format könnte es dann eng werden. Die gibt es seit Jahren; auch sie profitieren von weiter entwickelter künstlicher Intelligenz. Führend ist hier Vasco Electronics, das 2008 in Polen gegründet wurde und seinen Hauptsitz in den USA hat. Die smarten Übersetzer sind schnell genug für direkte Kommunikation und kosten zwischen etwa 300 Euro für das Modell M3 und 400 Euro für das Spitzenmodell V4. Letzteres übersetzt mit minimaler Latenz in aktuell 108 Sprachen, womit weit über 90 Prozent der Erdbevölkerung abgedeckt sind.
Der Zweiwege-Übersetzer ermöglicht damit fast verzögerungsfreie Gespräche. Eine SIM-Karte ist eingebaut. Mit dem Kauf bietet Vasco kostenloses Internet für Übersetzungen und Aktualisierungen. Vasco nutzt dabei unterschiedliche KI-Technologien und unterhält Server in den wichtigsten Ländern. Die kleinen Sprachcomputer verfügen über ein großes Display und leistungsstarke Lautsprecher, wiegen aber nur 134 Gramm. Die Geräte eignen sich auch für textbasierte Chats mit bis zu 100 Teilnehmern. Für Vielreisende also noch eine gute Wahl.