Tourismus
Sonnige Aussichten in der Reisebranche
Die deutsche Wirtschaft schwächelt weiter, große Konzerne wie VW haben massiven Stellenabbau angekündigt. Wie schlägt diese Entwicklung auf die seit Corona wieder florierende Reisebranche durch? Warten mehr Bundesbürger erst mal ab und buchen wieder kurzfristiger? Oder verzichten gar mehr Deutsche vorerst ganz aufs Reisen?
Die mehr als 2000 Reiseveranstalter und rund 8000 Agenturen in Deutschland mögen solche skeptischen Szenarien vor dem Start wichtiger Messen wie der CMT in Stuttgart (18. bis 26. Januar) und der ITB in Berlin (4. bis 6. März) überhaupt nicht und hoffen auf weiter sonnige Aussichten. „Bislang können wir aus den Buchungsdaten der vergangenen Monate nicht erkennen, dass die Deutschen auf das Reisen verzichten wollen“, betont Norbert Fiebig.
Trend zur frühen Buchung
Der Präsident des Deutschen Reiseverbands demonstriert Optimismus: „Auch für 2025 bleibt die Nachfrage nach Urlaub sehr hoch.“ Aktuell haben demnach schon mehr Kunden eine Pauschal- oder Bausteinreise eines Reiseveranstalters gebucht als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. „Damit setzt sich der Trend zum sehr frühzeitigen Festlegen auf das Wunschurlaubsziel vor allem für den Sommerurlaub fort“, sagt Fiebig.
Vorteil für die Kunden: Wer früh bucht, hat noch mehr Auswahl, bekommt das Wunschhotel und muss nicht wie bei Last Minute nehmen, was übrig bleibt. Zudem winken besonders für Familien teils üppige Frühbucherrabatte. Veranstalter, Fluglinien und Hotels wiederum können ihre Geschäfte besser planen und günstiger finanzieren, wenn über die fälligen Anzahlungen für die Reisen das Geld früh in die Kassen kommt.
Die neue DRV-Reiseprognose bestätigt die bisher positiven Erwartungen. Demnach könnte es bei Urlaubs- und Freizeitreisen mit mindestens einer Übernachtung ein stabiles Umsatzwachstum von 6 Prozent auf 85 Milliarden Euro geben, bezogen auf das Gesamttouristikjahr 2024/25 (1. November bis 31. Oktober). Darin sind Reiseleistungen enthalten, die vor Urlaubsantritt gebucht werden. Pauschalangebote und Bausteinreisen von Veranstaltern machen dabei rund die Hälfte des Marktvolumens aus, die andere Umsatzhälfte kommt von individuell organisierten Fahrten.
„Die Lust auf Reisen lassen sich die Deutschen trotz aller Krisen und ökonomischen Herausforderungen nicht nehmen“, betont der Verbandschef. Allerdings zeigen die Marktstudien auch, dass jedes Jahr rund ein Fünftel der Bundesbürger ganz aufs Reisen verzichtet, häufig aus finanziellen Gründen und mit steigender Tendenz. Nach der neuen Prognose wird 2025 die Anzahl der Reisenden bei 139 Millionen auf hohem Niveau stagnieren.
Gefahr für die Konsumlaune
„Fakt ist, dass die Sorge vor drohender Arbeitslosigkeit wieder zunimmt und steigende Personalkosten von vielen Unternehmen an die Kunden weitergegeben werden. Das drückt die generelle Konsumlaune und belastet das frei verfügbare Einkommen in den privaten Haushaltskassen“, räumt der DRV-Präsident ein. Bisher scheine die Reisebranche von dieser Entwicklung abgekoppelt zu sein. „Dennoch dürfen wir nicht blauäugig sein“, warnt Fiebig. Falls sich die negativen Trends verfestigen, werde „diese Entwicklung auch vor der Reisewirtschaft nicht Halt machen“. Zumal die Auszeit vom Alltag auch in diesem Jahr wieder deutlich teurer wird, das erwartete Umsatzplus von 6 Prozent kommt bei stagnierenden Buchungszahlen vor allem aus Preiserhöhungen. Fliegen, Ferienunterkünfte und Pauschalangebote haben sich seit der Corona-Pandemie teils massiv verteuert. Die Folge: Bei knapper Kasse muss seither manche zusätzliche Fahrt abgeblasen werden, die Ausgaben konzentriert man lieber auf einen längeren Sommerurlaub.
Andererseits gibt es eine zahlungskräftige Klientel, die sich weiterhin gerne kostspielige Reisen in alle Welt leisten will und kann. Dazu gehören in der laufenden Wintersaison (1. November bis 30. April) der Skiurlaub, Fernreisen und Kreuzfahrten, die allein im Vorjahreszeitraum rund 24 Milliarden Euro in die Kassen spülten. Obwohl die Anzahl der Reisenden voraussichtlich leicht auf 45 Millionen sinken wird, erwartet die DRV-Prognose einen satten Umsatzzuwachs von 3 Milliarden Euro.
Für den Sommer 2025 wird wieder mit hoher Nachfrage rund ums Mittelmeer gerechnet, wohin die klassische, meist sieben- bis 14-tägige Flugpauschalreise führt, das beliebte Hauptangebot von Veranstaltern wie Tui, Dertour, Alltours und Schauinsland. Erwartet wird ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 58 Milliarden Euro, aktuell gefragt sind laut DRV vornehmlich die Türkei, Spanien und Griechenland. Die Branche hofft auf 94 Millionen Reisende – und damit genauso viele wie im Sommer 2024.