München RHEINPFALZ Plus Artikel Schreckgespenst gehacktes Auto

Ladevorgänge können ebenfalls ein Einfallstor für Hacker sein.
Ladevorgänge können ebenfalls ein Einfallstor für Hacker sein.

Der Versicherungsriese Allianz warnt vor Cyberangriffen auf vernetzte Autos. Die Kfz-Versicherung könnte künftig kompliziert und zum Streitthema mit Autoherstellern werden.

Frank Sommerfeld skizziert ein apokalyptisches Szenario. „Es ist nicht auszuschließen, dass ein Hacker mit einem Knopfdruck alle Fahrzeuge eines bestimmten Typs angreift“, sagt der Chef der Allianz Versicherungs-AG beim Autotag seines Konzerns zum Thema Cyber-Risiken. Das wird im Zeitalter online vernetzter Autos zum Drohszenario auch für Kfz-Versicherer. Sollten Hacker Zugriff auf ganze Flotten oder eine Automobilmarke erhalten, wären mit einem Schlag Tausende Fahrzeuge über Ländergrenzen hinweg ein Angriffsziel. Damit können Hacker erpressen, in die Autosteuerung eingreifen und Unfälle verursachen oder Autos stehlen.

Sommerfeld spricht von den Grenzen der Versicherbarkeit. Bereits 2015 musste Fiat-Chrysler nach einer Hackerattacke in den USA 1,4 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, was 600 Millionen Dollar gekostet hat. Auch in Europa steigt die Gefahr, dass so etwas passiert, mit wachsender Vernetzung auf den Straßen. 37 Millionen solcher Computer auf Rädern hat der IT-Sicherheitsdienstleister Capgemini 2018 europaweit gezählt. Für 2023 sagt er 110 Millionen derartige Fahrzeuge voraus.

Dazu kommen immer mehr Schnittstellen: Serviceanbieter drängen in die Fahrzeuge und schaffen so potenzielle Einfallstore für Hacks. Bei Ladevorgängen könne auch die Ladestation Angriffsziel werden. Von dort könnten sich Hacker ins Stromnetz weiterarbeiten und dort Schaden anrichten.

Bleibt die Frage, wer im Schadenfall zahlt. Solange nur ein einzelnes Auto betroffen ist oder bei einem Unfall oder Diebstahl durch einen Cyber-Angriff, begleiche die Allianz alle Schäden. Kompliziert und potenziell strittig wird es, falls ein Auto nicht direkt gehackt wurde, sondern indirekt über die Server und digitale Plattform eines Autoherstellers. „Das gehört zur Risikosphäre des Herstellers“, sagt Sommerfeld. Um Streitfälle künftig zu vermeiden und es Hackern so schwer wie möglich zu machen, will die Allianz bei Diebstählen oder Unfällen Zugriff auf die Fahrzeugdaten. Autohersteller dagegen verteidigen ihre Datenhoheit bislang weitgehend eisern. Eine Entscheidung muss der Gesetzgeber herbeiführen.

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