Pharmageschäft RHEINPFALZ Plus Artikel Schott strebt an die Börse

Produkte für die Pharmaindustrie haben zum erfolgreichen Geschäftsjahr von Schott beigetragen.
Produkte für die Pharmaindustrie haben zum erfolgreichen Geschäftsjahr von Schott beigetragen.

Der Spezialglashersteller Schott AG aus Mainz könnte noch in diesem Jahr mit seinem Pharmageschäft an die Börse gehen. Das haben der Vorstandsvorsitzende Frank Heinricht und Finanzvorstand Jens Schulte am Mittwoch angekündigt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen sein Pharmageschäft ausgegliedert, um über einen Börsengang oder die Beteiligung eines Partners weitere Einnahmen zu generieren. Ein derartiger Schritt sei in diesem Jahr „absolut möglich“, sagte Schulte. Im Februar und März würden Gespräche mit Banken geführt. „Der Börsengang ist unsere absolute Priorität.“ Mit den Zusatzeinnahmen soll die grüne Transformation des Unternehmens mitfinanziert werden, das bis 2030 klimaneutral werden will. Maximal 30 Prozent des Pharmageschäfts sollen veräußert werden, die Schott AG wolle die Kontrolle behalten, sagte Heinricht.

Zuletzt hatte das Unternehmen, dessen Anteile vollständig von der Carl-Zeiss-Stiftung gehalten werden, vor 15 Jahren einen Börsengang geplant. Unter Heinrichts Vorgänger Udo Ungeheuer sollte die damals neu aufgebaute Solar-Sparte veräußert werden. Dann kam die Finanzmarktkrise dazwischen. Später trennte sich Schott komplett vom Solar-Geschäft.

Das Pharma-Geschäft ist ein gewachsenes Segment des Mainzer Unternehmens, das durch die Corona-Impfstoffe enorm gewachsen ist.

Energiekosten machen zu schaffen

Wachstumstreiber im vergangenen Jahr waren außerdem die Bereiche Medizintechnik und optische Gläser – unter anderem baut Schott den Spiegel für das weltweit größte Teleskop. Haushaltsnahe Produkte, etwa die Ceran-Kochfelder, waren dagegen rückläufig. Mit der Corona-Pandemie endete der Boom.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine habe vor allem zu einem Preisanstieg für Energie und Rohstoffe geführt, sagte Heinricht. Zwar seien die Preise wieder gesunken, aber 60 Euro für die Megawattstunde Erdgas seien noch zu hoch. „Das sind Preise, die wir nicht nachhaltig verkraften können. Der Zielbereich liegt unter 40 Euro, das wäre immer noch doppelt so hoch wie vor dem Krieg.“

Bedingt durch die vielen Lockdowns sei das Chinageschäft im vergangenen Jahr nicht gewachsen. Auf die Risiken angesprochen, sagte Heinricht: „Wir schließen uns dem Kanon nicht an. Unsere Position ist sehr eindeutig. Mit 1,4 Milliarden Menschen ist China eine große Volkswirtschaft, die Potenzial bietet.“ Wenn es mit Taiwan zu Verwerfungen komme, sei dies riskant, aber wenn Schott das Geschäft nicht mache, könnte in zehn Jahren die Frage gestellt werden, warum nicht.

Mehr Stellen am Standort Mainz

Das Geschäftsjahr 2021/22, das am 30. September endete, schloss das Unternehmen mit einem Umsatzplus von 10 Prozent auf 2,78 Milliarden Euro ab. Das operative Ergebnis stieg um 8 Prozent auf 422 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss von 269 Millionen Euro war laut Schulte der zweithöchste in der Unternehmensgeschichte, lag allerdings um 20 Millionen Euro unter dem des Vorjahres. Die Ausgaben für Investitionen in Höhe von 426 Millionen Euro sollen im laufenden Geschäftsjahr auf 500 Millionen erhöht werden. Mit der erneut gestiegenen Eigenkapitalquote von 51 Prozent sei Schott finanziell robust, sagte Schulte.

Schott beschäftigt weltweit 17.200 Personen, davon 6300 in Deutschland. 3000 sind es am Standort Mainz. Das sind 100 mehr als im Vorjahr, aber 100 Stellen seien derzeit nicht besetzt. Der Fachkräftemangel sei weltweit zu spüren, auch am Stammsitz, sagte Heinricht.

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