Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Sabotage an Nord-Stream-Pipeline trifft auch BASF

Die BASF zählte an ihrem Standort Ludwigshafen Ende Juni dieses Jahres 38.440 Mitarbeiter.
Die BASF zählte an ihrem Standort Ludwigshafen Ende Juni dieses Jahres 38.440 Mitarbeiter.

Der Anschlag auf die Gaspipeline Nord Stream 1 führt zu hohen Wertberichtigungen bei der BASF. Das drückt den Gewinn des Chemiekonzerns. Der kündigt nun auch noch einen Stellenabbau an seinem Standort Ludwigshafen an.

Die Rahmenbedingungen in Europa, vor allem in Deutschland verschlechterten sich, teilte die BASF am Mittwoch mit. Der Gewinn in der Region schwäche sich ab. Deshalb habe der Konzern Kosteneinsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro im Jahr beschlossen, die sich auf Europa und insbesondere Deutschland konzentrieren sollen. In Deutschland sei im dritten Quartal ein Verlust eingefahren worden, so die BASF weiter.

Die Kostensenkung soll außerhalb der Produktion erreicht werden durch eine Straffung etwa in den Bereichen Dienstleistungen, Forschung und zentrale Unternehmenssteuerung. Mehr als die Hälfte der Einsparungen, also mehr als 250 Millionen Euro, sollen am Standort Ludwigshafen umgesetzt werden. Ein BASF-Sprecher sagte, dass das Kostensenkungsprogramm auch einen sozialverträglichen Stellenabbau beinhalte. Es sei aber noch zu früh, den Umfang des Abbaus zu beziffern, so der Sprecher. Die Arbeitnehmervertretung werde frühzeitig eingebunden.

Dauerhafter Druck auf Wettbewerbsfähigkeit

Die sich verschlechternden Rahmenbedingungen erklärte der BASF-Sprecher mit dem enorm hohen Niveau der Gaspreise in Deutschland und in Europa. Der Chemiekonzern gehe davon aus, dass die Preise mittel- und langfristig auf einem hohen Niveau bleiben werden. Das führe dauerhaft zu Druck auf Wettbewerbsfähigkeit und Ergebnis in Europa. Der Chemiekonzern braucht Erdgas in großen Mengen als Rohstoff und um seinen Energiebedarf zu decken.

Der BASF-Betriebsratsvorsitzende Sinischa Horvat zeigte sich am Mittwoch überrascht von einem geplanten Stellenabbau und sagte, für den Betriebsrat gebe es eine rote Linie: Wenn Stellen gestrichen würden, dann müsse auch die Arbeit wegfallen, die dort geleistet werde. Eine Arbeitsverdichtung dürfe es nicht geben. Die Unternehmensleitung müsse jetzt konkretisieren, wo sie Stellen streichen wolle. Ihm fehle die Fantasie dafür, wo noch Arbeitsplätze eingespart werden könnten. Für das Stammwerk gilt eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausschließt.

740 Millionen Euro Wertberichtigungen

Der Ludwigshafener Chemiekonzern legte am Mittwoch auch vorläufige Geschäftszahlen für das dritte Quartal vor. Demnach legte der Umsatz gegenüber der gleichen Vorjahreszeit zwar deutlich um 12 Prozent auf 21,946 Milliarden Euro zu. Das war vor allem auf höhere Preise zurückzuführen, die verkauften Produktmengen waren dagegen rückläufig. Unter erheblichen Druck geriet das Betriebsergebnis (Ebit, Ergebnis vor Zinsen und Steuern) vor Sondereinflüssen. Es knickte um 28 Prozent auf 1,348 Milliarden Euro ein. Gestiegene Preise für Rohstoffe und Energie hätten nur noch teilweise über höhere Verkaufspreise weitergegeben werden können.

Um ebenfalls 28 Prozent nach unten ging es auch beim Ergebnis nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen, das 909 Millionen Euro erreichte. Verantwortlich dafür waren vor allem nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen auf die Beteiligung an dem Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea in Höhe von rund 740 Millionen Euro. Sie resultierten aus der teilweisen Abschreibung der von Wintershall gehaltenen 15,5-prozentigen Beteiligung an der Nord Stream AG. Dieses Unternehmen betreibt die Ostseepipeline Nord Stream 1, die am 26. September durch schwere Explosionen stark beschädigt wurde. Wintershall Dea hat in diesem Jahr schon einmal den Gewinn der BASF mit 1,1 Milliarden Euro belastet. Ursache waren Wertberichtigungen von Wintershall Dea insbesondere für Darlehen an die Pipelineprojektgesellschaft Nord Stream 2 AG.

Die BASF bestätigte am Freitag dennoch ihre bisherige Prognose für das Geschäftsjahr 2022: Der Konzern erwartet einen Rückgang bei Umsatz und Betriebsergebnis gegenüber 2021. Das Unternehmen prognostiziert für 2022 einen Umsatz zwischen 74 Milliarden und 77 Milliarden Euro (2021: 78,6 Mrd Euro). Beim Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen rechnet die BASF mit 6,8 Milliarden bis 7,2 Milliarden Euro (2021: 7,8 Mrd Euro).

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