Wirtschaft Süßwarenindustrie optimistisch

«Berlin». Brexit, Handelsstreit, fehlende Lkw-Fahrer: Das macht der deutschen Süßwarenindustrie zu schaffen. Sie zeigt sich für das Geschäftsjahr 2018 aber verhalten optimistisch.
Wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) gestern mitteilte, bereitet den Unternehmen unter anderem das Exportgeschäft Sorge. Der Exportumsatz mit Süßwaren und Knabberartikeln ging 2017 um 1,5 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro zurück. Grund dafür ist vor allem eine schwächere Nachfrage im europäischen Binnenmarkt, besonders in Großbritannien. Der Brexit werfe „seine Schatten voraus“, so der BDSI. In den ersten drei Quartalen 2017 gingen die nach Großbritannien exportierte Warenmenge um 6,1 Prozent und der Wert um 5,1 Prozent zurück. Grund dafür sei das schwächere Pfund nach der Brexit-Entscheidung. Die gesamte Produktion der 200 Hersteller blieb mit 3,8 Millionen Tonnen aber 2017 stabil. Auch die derzeitigen Handelsstreitigkeiten mit den USA sieht die Branche mit Sorge. Die USA seien außerhalb von Europa der wichtigste Absatzmarkt, sagte BDSI-Hauptgeschäftsführer Klaus Reingen in Berlin. Die Exportquote der gesamten Süßwarenbranche beträgt 50 Prozent. Ein „großes praktisches Problem“ ist dem Verband zufolge auch der zunehmende Mangel an Berufskraftfahrern in Europa, wodurch es zu Lieferengpässen kommt. Besonders deutlich wurde das demnach bei der Organisation des Weihnachtsgeschäfts im November vergangenen Jahres, als Fahrer zur Auslieferung fehlten. Positiv sieht der Verband den Ansatz der großen Koalition, die Branche bei der nationalen Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz mit einzubeziehen. So sieht es der Koalitionsvertrag vor. Kritisch sieht der BDSI eine Kennzeichnung nach Art einer Lebensmittel-Ampel: Dies sei ein „Weg in die Irre“ und verwirre den Verbraucher mehr, als es ihm helfe, sagte der BDSI-Vorsitzende Stephan Nießner. Ein „einzelnes Lebensmittel“ könne nicht pauschal als ungesund bewertet werden. Größter Süßwarenhersteller der Pfalz ist die Pirmasenser Wawi-Schokolade AG. Das Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr 2016/17 (30. April) 100 Millionen Euro umgesetzt. Am Produktionsstandort Münchweiler (Landkreis Südwestpfalz) wurden rund 8000 Tonnen Schokolade hergestellt. Im laufenden Geschäftsjahr sollen es knapp 10.000 Tonnen werden. Wawi produziert Marken wie Wawi-Schokoreis, Nappo oder Moritz Eiskonfekt. Weltweit stellt die Wawi-Gruppe in acht Fabriken auf vier Kontinenten mit 500 Mitarbeitern über 16.000 Tonnen Schokoladenprodukte und Zuckerwaren her. In Pirmasens und Münchweiler zählt Wawi 80 Beschäftigte.