Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Rohstoffe: Weniger Abhängigkeit von China angepeilt

Eine Industrieanlage verarbeitet Silizium-Scheiben, die für Solaranlagen benötigt werden.
Eine Industrieanlage verarbeitet Silizium-Scheiben, die für Solaranlagen benötigt werden.

Europa will die Abhängigkeit von einzelnen Staaten bei der Lieferung von seltenen Materialien reduzieren. Das zielt vor allem auf China.

Ohne kritische Rohstoffe funktioniert nichts in der modernen Welt. Seltene Materialien wie Lithium, Kobalt und bestimmte Erze sind für den Bau von Computerchips wichtig. Die stecken inzwischen in zahlreichen Geräten von der Kaffeemaschine, über Smartphones bis hin zu Windkraftanlagen und Autos.

Während der Pandemie und nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine hat sich gezeigt, dass die Versorgung mit diesen dringend benötigten Rohstoffen gefährdet sein kann. Aus diesem Grund will die Europäische Union nun eine zuverlässige und nachhaltige Versorgung sicherstellen. Dazu haben sich am Montagabend Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments auf eine europäische Rohstoffstrategie geeinigt. Sie soll insbesondere Veredelung, Verarbeitung und Recycling von kritischen Rohstoffen in Europa fördern, um die Abhängigkeit von Ländern wie China zu reduzieren.

Ein zentraler Punkt ist, dass bis 2030 mindestens 40 Prozent des jährlichen Verbrauchs an kritischen Rohstoffen in Europa erzeugt wird. Gelten soll das für eine Liste von 16 Rohmaterialien, darunter Lithium, Kobalt und Silizium. Zudem soll 25 Prozent des Verbrauchs über Recyclingkapazitäten der EU gedeckt werden.

Darüber hinaus will sich die EU das Ziel setzen, die externe Versorgung der EU mit strategisch besonders wichtigen kritischen Rohstoffen zu diversifizieren. Sichergestellt werden soll demnach, dass kein Drittland mehr einen Großteil des Jahresverbrauchs der Union deckt. Für Unternehmen, die in der EU kritische Rohstoffe verarbeiten oder recyceln, sollen bürokratische Hürden abgebaut werden.

Die Verantwortlichen zeigten sich nach der Einigung überaus zufrieden. „Mit gezielten wirtschaftlichen Anreizen schaffen wir echte Planungssicherheit für private Investoren – etwa durch zentrale Anlaufstellen für Unternehmen sowie schnelle und einfache Genehmigungsverfahren mit klaren Fristen für nationale Behörden“, betonte Parlamentsvizepräsidentin Nicola Beer (FDP). Durch einen Rahmen für strategische Rohstoffpartnerschaften mit Drittstaaten werde die EU zudem zum attraktiven Partner im geopolitischen Wettbewerb. Die Berichterstatterin der EVP-Fraktion, Hildegard Bentele (CDU), nannte die Verordnung wegen der Diversifizierung der Versorgung einen „Warnschuss an China“. Peking beherrscht den Weltmarkt für seltene Rohstoffe wie etwa Lithium oder Kobalt.

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