Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Plastik ähnlich problematisch wie Treibhausgas

Ein generationenübergreifendes Problem: So können Mittelmeerstrände nach einem Sturm aussehen: Plastikmüll Anfang 2018 an einem
Ein generationenübergreifendes Problem: So können Mittelmeerstrände nach einem Sturm aussehen: Plastikmüll Anfang 2018 an einem Strand nahe der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Deutsche Umweltforscher der angesehenen Fraunhofer-Gesellschaft sehen in Kunststoffen ein ähnlich schwerwiegendes Umweltproblem wie in Treibhausgasen. Eine aktuelle Studie macht das deutlich, die unter anderem auch die BASF finanziert hat.

Kunststoffe fänden sich überall in der Umwelt – vom Arktiseis über die Tiefsee bis zum abgelegenen Hochgebirgssee –, sie stammten aus einer Vielzahl schwer zu fassender Quellen und überdauerten sehr lange. Ihre langfristigen Wirkungen dürften im hohen Maße unumkehrbar sein, wenn die Menschheit nicht rechtzeitig entgegensteuere, schreiben die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen in ihrer Studie „Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik“, die dieser Tage veröffentlich wurde. Unter den Auftraggebern der Studie finden sich neben der BASF weitere Industrie- und Entsorgungsunternehmen und Universitäten.

5,4 Kilogramm Kunststoffemission pro Kopf

Einige Ergebnisse dürften durchaus überraschen. So schätzen die Forscher die Menge des freigesetzten Mikroplastiks (Partikel, Fasern) in Deutschland wesentlich höher als die von Makroplastik (größere Objekte). Jeder Bürger verantworte eine Kunststoffemission von 5,4 Kilogramm pro Kopf und Jahr, schreiben sie, wovon grob ein Viertel auf Makroplastik, aber drei Viertel auf Mikroplastik entfallen. Unter den zehn bedeutendsten Quellen, aus denen Mikroplastik stammt, finden sich etwa der Abrieb von Reifen und Schuhsohlen, Verwehungen von Sportplätzen (Kunstrasen, Wettkampfbahnen) oder Faserabrieb bei der Textilwäsche. Wesentliche Mengen größerer Plastikteile an Straßen und Plätzen holen die kommunale Straßenreinigung (80 Prozent) und Straßen- und Autobahnmeistereien (50 Prozent) wieder zurück. Dennoch bleiben der Studie zufolge jedes Jahr 16.000 Tonnen Makroplastik in Kommunen und 18.000 Tonnen an den Straßen liegen. Die Studie sieht in der Reinigung von Infrastrukturflächen eine der wichtigsten und effizientesten Handlungsoptionen, um die Einträge von Makro- und Mikroplastik in Gewässer zu minimieren. Hier gelte es auch dringend, näher zu erforschen, welche Rolle Niederschlagswassereinleitungen aus Siedlungen und Klärschlamm bei der Verbreitung von Mikroplastik (Abrieb) spielen.

Forscher schlagen vor, Produkte zu verbieten

Die Fraunhofer-Forscher schlage unter anderem vor, Produkte zu verbieten, die häufig unkontrolliert weggeworfen werden, und die Pfandpflicht auszuweiten. Um Mikroplastik durch Abrieb und Verwitterung (etwa Reifen, Fassadenfarben) zu mindern, empfehlen sie eventuell gesetzliche Anreize für langlebige und reparierbare Kunststoffprodukte zu setzen. Und sie weisen darauf hin, dass Kunststoffemissionen, da kaum rückholbar, als generationenübergreifendes Umweltproblem über Jahrhunderte verstanden werden müssten. Die BASF teilte auf Anfrage mit, sie unterstütze „unabhängige Studien“ zu Kunststoffen in der Umwelt, weil sie „an Erkenntnissen aus verschiedenen Blickwinkeln interessiert“ sei. Offene Betrachtung und Dialog zwischen Gesellschaft, Wissenschaft und Industrie zeige, wo innovative Produkte eine Verbesserung bringen könnten wie beispielsweise der kompostierbaren BASF-Kunststoff Ecovio.

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