Wirtschaft Phoenix baut Marktmacht aus
«Mannheim». Der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix Group, auch einer der größter Apotheker Europas, hat sein Ziel erreicht, die Anzahl eigener Apotheken auf mehr als 2000 zu steigern. Beim Gewinn dagegen hat das Unternehmen die angepeilte Marke verfehlt.
Die Anzahl eigener Apotheken stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 (31. Januar) um 286 auf 2059. Das sagte gestern der Chef der Phoenix Group, Oliver Windholz, vor Journalisten in Mannheim. Phoenix ist mit den in Deutschland wenig bekannten Apothekenketten Benu, Apotek 1 und Rowlands in 13 europäischen Ländern vertreten. Als Pharmagroßhändler beliefert das Mannheimer Unternehmen Apotheken, Krankenhäuser und Ärzte in 26 europäischen Ländern. Zu seinem Apothekennetzwerk zählt Phoenix mehr als 12.000 Partnerapotheken. Das Geschäft des Unternehmens wuchs wieder stärker als der europäische Pharmamarkt. Dieses Ziel sei für Phoenix „immer wichtig“, sagte gestern der Vorsitzende der Geschäftsführung, Oliver Windholz. Demnach stieg die Gesamtleistung im vergangenen Geschäftsjahr gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent auf 30,2 Milliarden Euro. Dieser Wert enthält den Umsatz und den Warenumschlag für andere gegen Dienstleistungsgebühr. Der europäische Pharmamarkt wuchs dagegen nur um 2,3 Prozent. Beim Gewinn verfehlte das Mannheimer Unternehmen dagegen die erhoffte Marke. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 5,0 Prozent auf 472,3 Millionen Euro zurück. Erwartet hatte Phoenix einen Wert auf Vorjahreshöhe. Windholz begründete den Rückgang mit dem harten Wettbewerb in Deutschland, wo Phoenix 35 Prozent seines Umsatzes erzielt. Und mit regulatorischen Einschnitten im britischen Markt. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Windholz einen „spürbaren Anstieg“ des bereinigten Ebitda. Der Umsatz, der im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent auf 24,4 Milliarden Euro anstieg, soll erneut stärker wachsen als der europäische Pharmamarkt. Die Marktposition in Europa will Phoenix dabei weiter durch organisches Wachstum und Übernahmen ausbauen. Das Geschäftswachstum sei auch stark getrieben von der Übernahme der niederländischen Apothekengruppe Mediq, erläuterte gestern Phoenix-Finanzchef Helmut Fischer. 700 Millionen Euro vom Zuwachs der Gesamtleistung in Höhe von 1,748 Milliarden Euro entfielen demnach auf Mediq. Die Übernahme des Unternehmens mit rund 500 Apotheken gilt als die größte in der Firmengeschichte von Phoenix. Die Anschaffungskosten von Mediq werden im Geschäftsbericht mit 363 Millionen Euro beziffert. Phoenix-Chef Windholz kündigte gestern an, dass der Pharmahändler ab 1. Juli europaweit, auch in Deutschland, rund 100 verschiedene Endverbraucher-Produkte der eigenen Marke Livsane einführt. Es handelt sich dabei um nicht-verschreibungspflichtige Medikamente, Diagnostika, Produkte für Erste Hilfe, Körper- und Babypflege, Damenhygiene und Nahrungsergänzungsmittel, die nur in Apotheken zu haben sein werden. Die Eigenmarke mit einer „sehr hohen Marge“ solle, so Windholz, Apotheken zusätzliches Ertragspotenzial erschließen. Mit Livsane solle „relativ kurzfristig“ ein Umsatz im dreistelligen Millionenbereich erzielt werden. Die Anzahl der Mitarbeiter am Standort Mannheim Ende Januar 2017 betrug 783, das waren sieben mehr als zur gleichen Vorjahreszeit. Die Belegschaft in Mannheim solle weiter ausgebaut werden, sagte Windholz gestern. Europaweit zählte Phoenix 34.145 Mitarbeiter, 4400 mehr als zur gleichen Vorjahreszeit. In Deutschland waren Ende Januar 4434 Menschen für Phoenix beschäftigt, 36 mehr als ein Jahr zuvor.