Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Spezialgießerei: Flaute bei Windradbau dämpft Geschäfte

Ging 2009 in Betrieb: Heger-Ferrit in Sembach. Seit 2013 liefert das eigene Windrad Strom für die Fertigung zu.  Foto: HEGER
Ging 2009 in Betrieb: Heger-Ferrit in Sembach. Seit 2013 liefert das eigene Windrad Strom für die Fertigung zu.

Seit 2014 müssen Betreiber von Windkraftanlagen ihren Strom selbst an der Strombörse vermarkten. Doch die Angebote bei Ausschreibungsrunden für Windenergie an Land sind niedrig. In diesem Jahr ist der Ausbau fast zum Erliegen gekommen. Dies hat sich auch auf die Geschäfte der Enkenbacher Spezial-Gießerei Heger ausgewirkt und zu geringeren Umsätzen geführt.

Enkenbach. Trotzdem gibt sich Firmenchef Johannes Heger für die Zukunft optimistisch: „Der Wechsel hin zur Elektromobilität und das politische Klimaziel, den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren, erfordern es, dass die Energiewende fortschreitet.“ Die Menge an Strom, der CO2-frei produziert wird, werde steigen und damit die Nachfrage nach Windenergieanlagen – egal, ob an Land oder vor den Küsten, sagt Heger, der auch Präsident des Verbands Pfalz-Metall ist.

Die gesunkene Nachfrage nach Windenergieanlagen an Land hat bei Heger bereits 2018 zu einem Umsatzrückgang geführt. Er lag bei 70 Millionen Euro, 11 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Gestiegen seien dagegen die Umsatzanteile bei Meeres-Windenergieanlagen, Motorenguss oder Kompressoren. Auch in diesem Jahr führen die Änderungen der Einspeisevergütungen noch dazu, dass weniger Windräder aufgestellt werden. Heger erwartet für das Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 63 Millionen Euro. 2013 lag er bei 47 Millionen Euro. Nach Angaben der Agentur für Erneuerbare Energien wurden im Jahr 2016 in Deutschland noch 1358 Windräder an Land in Betrieb genommen, in Rheinland-Pfalz waren es 70. Im Jahr darauf stieg die Anzahl auf 1498 (80). 2018 gab es einen starken Rückgang auf 642 (52) Anlagen. Nach Angaben von Johannes Heger wurden in diesem Jahr bundesweit bislang erst 80 Anlagen installiert, 15 davon in Rheinland-Pfalz.

Heger-Gruppe „eine Gießerei mit Elektroantrieb“

Kritisch sieht Heger mögliche Auswirkungen einer neuen Klimapolitik. Die Produktion in Deutschland dürfe sich durch CO2-Steuern, höhere Strompreise oder anderer Einschränkungen nicht verteuern, sonst würde Deutschland als Produktionsstandort für energie-intensive Unternehmen, wie etwa Gießereien so unattraktiv, dass die Gussteile-Fertigung in andere Länder verlagert werde. Dort würde jedoch höchstwahrscheinlich weniger energieeffizient und mit einem geringeren Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix produziert. Bei gleicher Produktion entstünde dort mehr CO2 als bei der Herstellung in Deutschland. „Das kann global nicht verantwortungsvoll und für die Arbeitsplätze sowie für die Wertschöpfung in Deutschland nicht erwünscht sein“, sagt Heger.

Für die Produktion benötigt die Heger-Gruppe etwa 38 Millionen Kilowattstunden an Energie, die zu knapp 90 Prozent aus Strom komme. Nur etwa 4 Millionen Kilowattstunden stammten aus der Produktion mit fossilen Brennstoffen. Die Heger-Gruppe sei somit „eine Gießerei mit Elektroantrieb“, sagt Heger. Das eigene Windrad am Standort Sembach erzeuge mehr als fünf Millionen Kilowattstunden. „Lokal betrachtet“, sagt Firmenchef Heger, „produziert die Heger-Gruppe beim Energieeinsatz CO2-neutral“.

Stammbelegschaft an beiden Standorten bleibt stabil

Die Stammbelegschaft sei an beiden Produktionsstandorten stabil bei 300. 170 Mitarbeiter sind in Enkenbach bei der Heger-Guss GmbH beschäftigt, die sich auf große Eisengussteile spezialisiert hat. 130 Mitarbeiter zählt die Heger Ferrit GmbH im benachbarten Sembach (beide im Kreis Kaiserslautern). Die Heger Ferrit GmbH produziert Rotornaben für Windräder und Gussteile für Großmotoren. Im Juni vor genau zehn Jahren gab es bei Heger Ferrit den ersten Abguss. In den Neubau hatte das Unternehmen 25 Millionen Euro investiert, hinzu kamen 5 Millionen Euro an Fördergeld des Landes Rheinland-Pfalz und der EU. 2017 erreichte die Produktionsstätte das erste Mal Vollauslastung, resultierend aus der hohen Nachfrage für Windenergieanlagen in Deutschland, Europa und Kanada, sagt Heger. In diesem Rekordjahr habe Heger Ferrit Gussteile für mehr als 1200 Windräder (an Land und vor den Küsten) hergestellt.

Schwerpunkt der Investitionen bei Heger in diesem Jahr ist die Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Seit der Großinvestition 2009 in den zweiten Produktionsstandort hat die westpfälzische Unternehmensgruppe weitere 14 Millionen Euro in unterschiedliche Projekte investiert.

IHK-Auszeichnung „Hidden Champion“

Die IHK Pfalz hat dem Unternehmen 2017 das Prädikat „Hidden Champion“ verliehen. Damit zeichnet die Kammer Unternehmen aus, die auf dem Weltmarkt zu den drei führenden gehören oder in Europa auf Rang eins stehen und in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind. Zur Unternehmensgruppe gehören neben den beiden Produktions-Töchtern Heger Guss und Heger Ferrit der Dienstleister Heger GDD sowie Heger Pro, zuständig für die Bereiche Finanzen, Personal, Verkauf und Produktionsmanagement.

Etwa 1400 Grad heiß ist das Eisen beim Gießen.  Foto: Heger
Etwa 1400 Grad heiß ist das Eisen beim Gießen.
JohannesHeger Foto: KUNZ
JohannesHeger
Mit Scannern werden die Rotornaben nach dem Guss auf möglich Fehler überprüft.  Foto: Heger
Mit Scannern werden die Rotornaben nach dem Guss auf möglich Fehler überprüft.
Etwa 16,7 Tonnen schwer und 4,3 Meter lang sind Maschinenträger für Windkraftturbinen. Foto: Heger
Etwa 16,7 Tonnen schwer und 4,3 Meter lang sind Maschinenträger für Windkraftturbinen.
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