Unternehmen
Pfälzer Hochdruckpressen für Corona-Impfampullen
Die Landauer Wickert Maschinenbau GmbH ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für die Herstellung von Reinraum- und Pharmapressen. Auf diesen Maschinen stellen dann Pharmaunternehmen unter anderem auch den weit überwiegenden Teil der kleinen Verschlussstopfen her, die die hochreinen Ampullen mit den Corona-Impfstoffen steril verschließen.
Solche hoch spezialisierten Unternehmen wie Wickert mit führender Position auf Weltmärkten, die sich oft unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung bewegen, werden gerne Hidden Champions genannt, die versteckten Stars ihrer Branche.
Wickert Maschinenbau ist mit 190 Mitarbeitern zudem einer der großen Arbeitgeber in der Südpfalz. Neben Verschlussstopfen werden auf seinen Pressen für die Pharmaindustrie unter anderem Spritzenkolben für Einwegspritzen und Nadelschutzkappen hergestellt. Nach Angaben des Unternehmens wuchs die Belegschaft 2021 um 22 Mitarbeiter.
2021 sei ein außergewöhnliches Geschäftsjahr gewesen, teilte das Landauer Unternehmen nun mit. Im 120. Jahr seines Bestehens habe das Familienunternehmen sowohl den höchsten Umsatz als auch den höchsten Auftragseingang seiner Firmengeschichte verbucht. Den Umsatz 2021 bezifferte Wickert mit 45 Millionen Euro, ein Plus von knapp 13 Prozent. Ursache dafür seien insbesondere die zahlreichen Aufträge für Pressen zur Fertigung von Pharmaverschlüssen für Corona-Impfampullen gewesen, die nach Angaben des Unternehmens weltweit auf Wickert-Pharmapressen hergestellt werden. Um mit dem Wachstum Schritt zu halten, hat das Unternehmen, das ausschließlich in Landau produziert, zusätzliche Montagehallen angemietet und die Belegschaft um 13 Prozent aufgestockt. Mit dem aktuellen Auftragsbestand von 80 Millionen Euro seien die Produktionskapazitäten bis weit ins Jahr 2023 ausgelastet.
1000-Tonnen-Presse
Mit einem Auftragswert von 6,5 Millionen Euro verzeichnete Wickert 2021 auch den teuersten Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte. Abnehmer des vollautomatischen Pressensystems ist demnach ein Zulieferunternehmen der Luftfahrt mit Sitz in den USA. Damit werden Kunststoffteile aus Faserverbundstoffen für die Flugzeugindustrie hergestellt. Sie sind genauso steif und stabil, aber viel leichter als Aluminiumbauteile. Dadurch sinkt der CO2-Ausstoß beim Fliegen. Darüber hinaus baut das Landauer Unternehmen gerade die größte jemals bei Wickert entwickelte Pressenanlage mit einem Eigengewicht von 1000 Tonnen. Damit werden unter Hitze und Druck Hochleistungskunststoffteile für die Halbleiterindustrie und die Medizintechnik produziert. Der Kunde ist laut Wickert ein internationaler Konzern, der die Anlage in Deutschland betreiben wird.
Neben den deutlich gewachsenen Erlösen in der Medizintechnik entwickelten sich den Angaben zufolge 2021 auch die Umsätze mit Auftraggebern aus traditionellen Sparten sehr gut, wie vor allem der Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie Forschung und Wissenschaft.
Zusätzliche Impulse gingen vom Umweltschutz in der Bauwirtschaft aus. Hier würden vermehrt Pressen zur Herstellung von sehr dünnwandigen, hochwirksamen Isolationsmaterialien auf Basis von Kieselsäurepulver bestellt. Weitere Abnehmer kommen aus der Medizintechnik, die mit den Pressen platzsparende Tieftemperaturboxen für Impfstoff- und andere Arzneimitteltransporte herstellt. Sorge bereitet dem Unternehmen der Mangel an gut ausgebildeten Facharbeitern. „Um das weitere Wachstum stemmen zu können, suchen wir dringend industrielle Fachkräfte für Mechanik, Elektronik, Automation, Programmierung und Service“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Hans-Joachim Wickert.
Die Wickert Maschinenbau GmbH ist ein mittelständisches familiengeführtes Unternehmen, das ausschließlich in Landau fertigt und von dort seine Kunden in Europa, Amerika und Asien beliefert. Wickert entwickelt und fertigt hydraulische Pressen und vollautomatische Pressensysteme. Gegründet wurde das Unternehmen 1901 in Landau von Kunstschlossermeister Jakob Wickert als Maschinen-Fabrik J. Wickert. Gemeinsam mit acht Gesellen und fünf Lehrbuben begann er damals Pressen für den Wein- und Obstbau zu entwickeln und zu fertigen.