Wirtschaft Pfälzer Ackerböden staubtrocken: Mehr künstliche Bewässerung nötig

Hitze und Trockenheit setzen den Äckern zu. Foto: dpa
Hitze und Trockenheit setzen den Äckern zu.

Böhl-Iggelheim. Die Gemüsebauern in der Pfalz müssen mehr künstlich bewässern als sonst. „Eine Situation wie in diesem und im vergangenen Jahr hatten wir zuletzt 1976“, sagt der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Johannes Zehfuß.

Der Beregnungsverband Vorderpfalz stellte seinen Mitgliedern im ersten Halbjahr 10,8 Millionen Kubikmeter Wasser zur Beregnung der Felder bereit, wie das Umweltministerium auf eine Landtagsanfrage der Grünen-Fraktion antwortete. Das waren 17,4 Prozent mehr als im Mittel der vergangenen Jahre. „Die geringen Niederschlagsmengen in der ersten Jahreshälfte haben trockene Böden zur Folge“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. „Insbesondere im Gemüsebau mussten leichte, sandige Böden zur Vermeidung von Totalverlusten aufgrund ihrer geringen pflanzenverfügbaren Wasserkapazität in sehr kurzen Zeitabständen bewässert werden.“

Folge der Kanalisierung in den 60er Jahren

„Wir müssen häufiger und intensiver beregnen“, sagt Landwirt Zehfuß, der für die CDU auch im Landtag sitzt. „Weil wir trocken aus dem Winter gekommen sind, haben wir keine Reserven im Unterboden. Der ist richtig trocken, da staubt es.“

Bis zur Kanalisierung für die Abwässer Ende der 60er Jahre habe es in Böhl nie unter Trockenheit leidende Zuckerrüben gegeben, sagt Zehfuß. Seitdem werde Regen viel schneller in den Rhein abgeleitet und bleibe nicht lange genug im Boden. Mit der Bewässerung werde diese Wirkung wieder ausgeglichen.

„Die Landwirtschaft steht vor der großen Aufgabe, ihre Anbauweise und ihre Sorten stärker nach den veränderten Klimabedingungen auszurichten“, sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Andreas Hartenfels. Die für die Bewässerung verfügbare Wassermenge werde in Zukunft abnehmen. „Wir brauchen daher auch ein Umdenken in der Anbauweise, hin zu einer boden- und wasserschonenden Landwirtschaft.“

„Preisdiktat vom Lebensmitteleinzelhandel“

Künstliche Bewässerung sei unabdingbar, um die Qualitätsansprüche einzuhalten, sagt Zehfuß. „Die Kunden und der Lebensmitteleinzelhandel geben den Takt vor.“ Den erhöhten Aufwand für die künstliche Bewässerung könnten die Landwirte aber kaum über den Preis refinanzieren. „Wir bekommen ein Preisdiktat vom Lebensmitteleinzelhandel, das schnürt uns die Kehle zu“, sagt der Landwirt.

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