Patentamt
Pandemie hinterlässt Spuren
Die Pandemie hinterlässt beim Europäischen Patentamt (Epa) Spuren. 2020 ist die Anzahl der Anmeldungen hierzulande zurückgegangen, was in kommenden Jahren noch deutlicher werden könnte, fürchtet das Amt. Hatten Schutzersuchen 2019 insgesamt noch um 4 Prozent zugelegt, gingen sie 2020 leicht auf 180.250 Anmeldungen zurück. „Die Zahlen zeigen noch kein vollständiges Bild der langfristigen Auswirkungen der Pandemie“, warnt Epa-Chef Antonio Campinos. Denn Erfinder melden im Schnitt zwei Drittel ihrer Patente erst bei nationalen Patentämtern an, die deutlich billiger sind und dann zwei bis drei Jahre später bei der Europabehörde, erklärt ein Patentexperte. Das könnte bedeuten, dass die vorjährigen 0,7 Prozent Rückgang beim Epa nur ein Vorgeschmack waren.
Weniger Patentanmeldungen in Erfinderhochburg
Beim Deutschen Patenamt war die Anzahl der Anmeldungen 2020 um knapp 8 Prozent auf noch 62.100 Schutzersuchen rückläufig. Für den EU-Markt bedeutender ist das Geschehen beim Epa. Hier waren Patentersuchen aus Deutschland 2020 mit Minus 3 Prozent auf knapp 26.000 Anmeldungen überdurchschnittlich stark rückläufig.
Der Rückgang 2020 geht vor allem auf die deutsche Erfinderhochburg München und das weiterhin erfindungsstärkste Bundesland Bayern zurück. Der Freistaat verzeichnete 2020 knapp 8 Prozent Anmelderückgang, München sogar fast 12 Prozent. Im Vergleich der EU-Regionen bleibt Bayern damit in puncto Erfindergeist dennoch an der Spitze vor der französischen Hauptstadtregion Paris. Dahinter kommen mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zwei weitere Bundesländer, wobei der Südwesten positiv hervorsticht. Patentanmeldungen haben dort gegen den Trend 2020 leicht zugelegt, solche aus der Landeshauptstadt Stuttgart sogar um knapp 9 Prozent. Beim Deutschen Patentamt liegt Baden-Württemberg sogar vor Bayern.
Deutschland auf Rang zwei
Beim Epa konnte Deutschland als Ganzes Rang zwei unter den Patentnationen hinter den USA verteidigen. Erfinder aus Frankreich vor allem aber aus Südkorea und China haben trotz Pandemie mehr Patente angemeldet als 2019. Bei chinesischen Tüftlern betrug das Plus fast ein Zehntel auf gut 13.400 Anmeldungen, womit die Volksrepublik auf Rang vier dem Dritten Japan näher kommt.
Ins für Deutschland negative Bild passt, dass deutsche Firmen 2020 weniger für Forschung und Entwicklung ausgegeben haben, sagt das Ifo-Institut. Der Anteil dafür sank gemessen am Umsatz im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 von 3,5 auf 3,2 Prozent.
Vorne dabei: BASF bei organischer Feinchemie
Als positiv aus deutscher Sicht kann man werten, dass deutsche Unternehmen in drei der zehn führenden Technologiefelder an der Spitze der Epa-Anmeldestatistiken liegen. Das sind Volkswagen bei den Autobauern, Continental bei Transport-Technologien und BASF bei organischer Feinchemie. Teils mitbestimmt haben deutsche Erfinder 2020 auch die positiven Seiten des von Corona überlagerten Geschehens.
So kam das stärkste Anmeldewachstum deutscher Firmen beim Epa 2020 aus der Biotechnologie (gut 9 Prozent mehr) und dem Bereich Arzneimittel (plus 8 Prozent). Beide Bereiche hatten 2020 die größten Anmeldezuwächse. Zum anmeldestärksten Gebiet aufgestiegen ist während der Pandemie die Medizintechnik mit knapp 3 Prozent Zuwachs auf 14.300 Schutzersuchen. In dem Bereich haben deutsche Firmen 2020 aber 5 Prozent weniger angemeldet.
Samsung aus Südkorea an der Spitze
Das Patentgeschehen im Vorjahr ist damit aus deutscher Sicht bestenfalls durchwachsen. Nicht gerade zuversichtlich macht auch ein Blick auf die größten Einzelanmelder. Hier hat Samsung aus Südkorea 2020 den chinesischen Patentriesen Huawei vom ersten Rang verdrängt. Knapp dahinter rangiert mit LG ein weiteres Unternehmen aus Südkorea. Siemens, das 2018 noch Patentweltmeister war, musste sich 2020 mit Rang sechs begnügen. Das hat jedoch auch damit zu tun, dass Siemens sein Energiegeschäft in den Zweitkonzern Siemens Energy abgespalten und der Energietechnikriese dabei einige hundert Patentanmeldungen „mitgenommen“ hat. Hinter Siemens auf Rang sieben liegt der Autozulieferer Bosch und mit BASF auf Rang zehn auch noch ein dritter deutscher Konzern unter den Top Ten beim Epa.