Automobil-Historie
Opel Admiral: Riese aus Rüsselsheim
Das waren noch Zeiten, als Opel kräftig in der Oberklasse mitmischte, Audi sich gerade vom DKW-Zweitaktzeitalter verabschiedete und sich BMW von einer drohenden Pleite zu erholen begann. Es geht um die zweite Hälfte der 1960er-Jahre – die bei Opel im Zeichen der drei Großbuchstaben KAD (Kapitän, Admiral, Diplomat) stand, wozu man sich in Rüsselsheim technischer Zutaten und Karosserieformen der amerikanischen Muttergesellschaft General Motors bediente, genauer: von deren Marke Chevrolet.
Flossen weg
Die Zeit barocker Straßenkreuzer mit Flossen war vorbei, die Autos waren zwar groß, aber glattflächig und eher sachlich gezeichnet. Mit einem Admiral des Baujahres 1965 nahmen wir an der 11. Paul-Pietsch-Classic teil, einer zweitägigen Veranstaltung mit Start und Ziel in Offenburg und zu Ehren des gleichnamigen Rennfahrers und Verlagsgründers (1911-2012).
Der Admiral mit der Startnummer 26 ist 4,95 Meter lang und 1,90 Meter breit. Den Antrieb besorgt unüberhörbar ein V8-Motor mit 4,6 Litern Hubraum, eine Konstruktion von jenseits des Atlantiks, die dort liebevoll als „small bloc“ (kleiner Motorblock) bezeichnet wurde – es gab noch großvolumigere Triebwerke.
190 PS und 198 km/h Spitze reißen heute niemanden mehr vom Sitz – taugten aber damals dazu, der überwiegenden Mehrheit den grummelnden Auspuff zu zeigen.
Keineswegs schwammig
Zwar kommt es bei klassischen Rallyes nicht auf Höchstgeschwindigkeit an. Auf den Schwarzwaldstraßen rund um Offenburg lässt sich aber sehr wohl das allgemeine Fahrverhalten ausprobieren. Der Hecktriebler erweist sich als wendig, komfortabel, aber keineswegs schwammig, ein Ruf, der damaligen US-Autos vorauseilte. In Rüsselsheim hatten sie offenbar kräftig an der Fahrwerksabstimmung gearbeitet.
Die Kräfte werden von einer Zweigang-Automatik übertragen – überwiegend war die zweite Stufe tätig. Damit die Bremsen bergab nicht über die Maßen beansprucht wurden, ging’s manchmal von Hand in die erste Fahrstufe.
Die unausweichliche Frage nach dem Verbrauch: Am Ende der beiden Rallye-Tage waren 17,5 Liter auf 100 Kilometer durchgelaufen – für heutige Zeiten astronomisch. Aber: Damals lag der Literpreis für Benzin bei 54 Pfennig, also etwa 27 Cent, und Umweltthemen waren noch nicht so relevant.
Rotes Leder
Werfen wir noch einen Blick in den Innenraum, der vor allem von rotem Leder beherrscht wird. Auch in der Oberklasse wurden einst vordere Dreiecksfenster eingebaut – unschlagbar in zugfreier Belüftung. Geöffnet werden sie mit einer kleinen Drehkurbel, ebenso das Schiebedach. Beides galt im vorelektrischen Zeitalter als Luxus. Man war in einem rollenden Museumsstück unterwegs, das überwiegend Lächeln und erhobene Daumen am Straßenrand hervorrief. Die Platzierung war Nebensache – es war eine Punktlandung analog zu unserer Startnummer ...