Auto-Doppeltest
Nissan: Was Qashqai und X-Trail unterscheidet
Demgegenüber ist der X-Trail bei gleicher Breite nur ein paar Handbreit länger und etwas höher, und auch ihn gibt es als Fronttriebler und Allradler – frei wählbar in Verbindung mit dem e-Power-Antrieb. Hier hatten wir uns zwei zusätzlich versenkbare Sitze im Heck ausgesucht: Derart ausgerüstet stand der Siebensitzer mit Antrieb auf alle viere bereit.
Wie fühlt man sich in diesen Autos?
Ein wichtiger Kaufgrund für die derzeit so beliebte SUV-Fahrzeugklasse ist die hohe Sitzposition. Tatsächlich kann man auch im Qashqai das Verkehrsgeschehen sehr gut nach vorn und zu beiden Seiten beobachten. Häufig ein Manko bei der Rundumsicht und ebenfalls beim hochbeinigen Qashqai der Fall: Schräg nach hinten macht einem die dortige stämmige Dachsäule samt sich verjüngenden Fenstern zu schaffen; das zusätzliche seitliche kleine Guckloch hilft nicht viel. Segensreich zahlt sich somit die Rückfahrkamera aus. In der zweiten Reihe herrscht erstaunlich viel Bein- und Kopffreiheit. 455 Liter im Kofferraum mit teilbarem zusätzlichen Fach unterm Ladeboden sind ordentlich.
Zwei zusätzliche Sitze
Der X-Trail besticht durch mehr Platz und die beiden im Heck versenkbaren zusätzlichen Sitze, die nicht nur Notdienste leisten, aber akrobatische Fähigkeiten erfordern, um sie zu erreichen und zu verlassen.
Was Cockpit und Assistenzsysteme betrifft, lässt sich summarisch bemerken, dass bei Nissan eine zeitgemäße Gestaltung und Vernetzung vorhanden ist – mit einem breiten Fächer von elektronischen Helfern und ohne jegliche Design-Spielereien.
Welchen Antrieb haben die Autos?
Die Idee dieser Vollhybriden mit dem Zusatz e-Power ist charmant: Der 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner arbeitet einzig als Generator zur Stromerzeugung. Jene elektrische Energie treibt den 190 PS/140 kW starken E-Motor an der Vorderachse an und wird zusätzlich in einer kleinen Batterie zwischengespeichert, in die auch rückgewonnene Bremsenergie fließt. Da der Benzinmotor keine Verbindung zu den Rädern hat, braucht man kein Getriebe.
Aufgrund einer variablen Verdichtung läuft der Verbrennungsmotor mit bestmöglichem Wirkungsgrad und trägt so zum mäßigen Kraftstoffverbrauch bei. Im Falle des Qashqai-e-Power-Antriebs liegt der WLTP-Normwert bei 5,3 Litern Super (120 g CO2/km) – das ist rund ein Liter weniger als beim vergleichbaren Mildhybriden. Unser Testverbrauch betrug 5,9 Liter bei gemäßigter Fahrweise, was wir für einen zufriedenstellenden Wert halten.
Leichtigkeit des Stromers
Sowohl über Land als auch in der Stadt konnten wir die Leichtigkeit eines Stromers empfinden, da sich der e-Power-Qashqai mit vollem Drehmoment ab der ersten Umdrehung in Bewegung setzt. Gut gedämmt gleitet man dahin, nicht selten komplett flüsterleise im Stadtgebiet bei zurückhaltendem Fahrpedal bis zu vier Kilometer weit, ehe der Benzinmotor anspringt.
Im X-Trail mit Allradantrieb handelt es sich um den gleichen Benziner samt E-Motor an der Vorderachse. Es kommt jedoch noch ein E-Motor an der Hinterachse hinzu. Mit einem Normverbrauch von 6,7 Litern Benzin (152 g CO2/km) präsentiert sich der leer knapp zwei Tonnen wiegende Allradler durchaus als wettbewerbsfähig. Diese Aussage können wir auch für den ermittelten Testverbrauch von 6,9 Litern treffen. Einen in dieser Klasse sinnvollen Dieselmotor bietet Nissan derzeit leider nicht an.
Beide Fahrzeuge können übrigens mittels e-Pedal-Schalter besonders stark Energie rückgewinnen – im Schub wie beim Bremsen. Überdies fiel uns jeweils die komfortable, aber keineswegs schwammige Fahrwerksabstimmung auf.
Lohnt die e-Power-Technologie?
Nissan spricht beim Hybrid e-Power offen von einer Brückentechnologie: Die Kundschaft soll damit ohne Reichweitenfurcht oder Ladesäulensuche an das stromernde Fahrgefühl herangeführt werden. In der Tat lassen sich sowohl Qashqai als auch X-Trail alltagstauglich einsetzen – mit einer gewissen Bandbreite vom Vorderrad- bis zum Allradantrieb und bis zu sieben Sitzen. Es gilt allerdings die Erkenntnis, dass Technologie ihren Preis hat, deren Verbrauchsvorteile in der Summe gut überlegt werden sollten. Den Qashqai (Einstiegspreis mit 1,3-Liter-Motor und 140 PS/103 kW: 29.440 Euro) gibt es als e-Power erst in der mittleren Ausführung N-Connecta ab 42.260 Euro. Der fünfsitzige X-Trail steigt in der Basisausstattung Visia frontgetrieben ab 38.500 Euro ein – mit Allradantrieb geht’s ab Acenta mit 45.900 Euro los; zwei Sitze in der dritten Reihe schlagen mit weiteren 800 Euro zu Buche.
Autogramm I
Nissan Qashqai 1.5 e-Power Tekna+
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 48.970 Euro; Länge: 4,43 Meter; Breite: 1,84 Meter; Höhe: 1,63 Meter; Radstand: 2,67 Meter; Leergewicht: 1699 Kilogramm; Zuladung: 481 Kilogramm; Kofferraum: 455 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 55 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1497 Kubikzentimeter; Leistung: 158 PS/116 kW; Drehmoment: 250 Newtonmeter; Elektromotor: 190 PS/140 kW; Drehmoment: 330 Newtonmeter; Spitze: 170 km/h; 0 auf 100 km/h: 7,9 Sekunden; Normverbrauch/WLTP: 5,3 Liter Benzin, CO2-Ausstoß: 120 g/km, Testverbrauch: 5,9 Liter.
Autogramm II
Nissan X-Trail 1.5 e-Power e-4orce Tekna+
Typ: Allradler; Preis: 57.690 Euro; Länge: 4,68 Meter; Breite: 1,84 Meter; Höhe: 1,72 Meter; Radstand: 2,71 Meter; Leergewicht: 1961 Kilogramm; Zuladung: 574 Kilogramm; Kofferraum: 485 Liter; Sitze: 6+1; Tankinhalt: 55 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1497 Kubikzentimeter; Leistung: 158 PS/116 kW; Drehmoment: 250 Newtonmeter; Elektromotor vorn: 204 PS/150 kW; Drehmoment: 330 Newtonmeter; Elektromotor hinten: 136 PS/100 kW; Drehmoment: 195 Newtonmeter; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/h: 7,0 Sekunden; Normverbrauch/WLTP: 6,7 Liter Benzin, CO2-Ausstoß: 152 Gramm/km, Testverbrauch: 6,9 Liter.