Neue Fahrzeuge
Nissan Silence: Flüsterleiser Elektro-Floh
Wie so häufig bei Kleinstwagen dieser Art müssen gewisse Abstriche bei der Sicherheit hingenommen werden. Die Reichweite des Stromers mit Pkw-Zulassung beträgt mit zwei Batterien nach der Norm 157 Kilometer, seine Preise beginnen bei 16.745 Euro.
Außen/Innen
Streng genommen ist der Silence S04 L7e gar kein Auto, sondern ein Leichtfahrzeug mit Pkw-Zulassung. Der 2,28 Meter kurze Winzling ist mehr hoch als breit, was ihm ein eigentümliches Aussehen verleiht und eine sorgsame Umgangsweise in Kurven ratsam macht – Stichwort Kippfaktor.
Damit wäre man auch schon bei einer wesentlichen Betrachtung: Wer den Silence als ummanteltes E-Motorrad betrachtet, kommt problemlos damit zurecht, dass der zwar Sicherheitsgurte, aber keine Airbags, kein ABS, geschweige denn ESP an Bord bereithält. Der Zweisitzer hat eine spartanische Ausstattung mit zwei leicht versetzt montierten Kunststoff-Schalensitzen, die bei zwei Insassen unweigerlich zur Tuchfühlung führen. Der etwas zerklüftete Kofferraum fasst 247 Liter. Zur Konnektivität wird das eigene Handy mittels vorhandenem Kabel eingestöpselt, sodass Musik und Navi ordentlich in Betrieb genommen werden können.
Motor
Angetrieben wird das flüsterleise Leichtgewicht, das fahrbereit gerade mal 517 Kilogramm wiegt, von Radnabenmotoren an den Hinterrädern. Strom dazu liefern zwei 5,6-kWh-Batterien unter den beiden Sitzen. Einen Überblick hat man sich schnell verschafft, sodass die erste Testfahrt unverzüglich beginnen kann. Per Hebel geht’s vorwärts, rückwärts oder zum Parken auf Neutral, wobei zusätzlich die elektrische Parkbremse betätigt werden muss. Mit den Fahrprogrammen Eco, City und Sport lassen sich wie bei allen Elektroautos die Leistung und Bremsenergie-Rückgewinnung beeinflussen.
Fahreindrücke
Bei aller Freude über die vielfachen technischen Möglichkeiten der Fortbewegung: Der Elektro-Floh hat weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker. Vor allem Letzteres bedingt konzentriertes Herantasten an jegliches Verzögerungsmanöver. Denn es bedarf frühzeitigen und beherzten Drucks aufs Bremspedal, zumal man elektrotypisch rasch beschleunigen kann – die Höchstgeschwindigkeit beim Silence liegt immerhin bei 85 km/h. Ebenso gewöhnungsbedürftig: die gelinde gesagt straffe Federung. Die muss man mögen und sich darauf einstellen. Ansonsten gelingt die Freundschaft mit dem Wägelchen überraschend schnell. Natürlich bereitet es Frohsinn, wenn man sich wieselähnlich mit einer Reichweite von rund 150 Kilometern durch den Verkehr schlängelt, was auch auf Landstraßen völlig gelassen gelingt. Ein Riesen-Pluspunkt ist zudem das Aufspüren von Parklücken, das bei diesen Außenabmessungen andere Verkehrsteilnehmer nur neidisch zuschauen lässt: Wir konnten eine kleine Bucht quer parkend nutzen.
Stromladekonzept
Die Grundidee fürs Stromtanken ist, die Energie an der Haushaltssteckdose aufzuladen. Entweder dockt man mittels beiliegendem Ladekabel direkt mit dem Leichtfahrzeug an den Stromanschluss an, oder man nimmt die mit einem Rollsystem verbundenen Akkus einzeln aus ihrer Schale unterm Sitz und zieht sie wie einen Rollkoffer zur gewünschten Ladebuchse. Das Gewicht von 41 Kilogramm pro Batterie ist jedoch nicht zu unterschätzen. Dieses mal kurz eine Treppe hochzuwuchten, bedeutet ordentlich Kraftaufwand. Eine volle Ladung von 0 auf 100 Prozent dauert zwischen sieben und neun Stunden.
Autogramm
Nissan Silence S04 L7e
Typ: Microcar; Preis: 16.745 Euro; Länge: 2,28 Meter; Breite: 1,26 Meter; Höhe: 1,57 Meter; Leergewicht: 517 Kilogramm; Zuladung: 179 Kilogramm; Kofferraum: 247 Liter; Sitze: zwei; Motor: zwei Elektromotoren; Gesamtleistung: 19 PS/14 kW; Drehmoment: 111 Newtonmeter; Spitze: 85 km/h; Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku; Batteriekapazität: 11,2 Kilowattstunden (kWh), 2 Batterien je 5,6 kWh; Reichweite: 157 Kilometer; Ladedauer Haushaltssteckdose: 7-9 Stunden; Stromverbrauch: 11,7 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 42 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland).