Rheinland-Pfalz
Neuer LVU-Chef Heger kritisiert „Scheuklappen“ im Landtag
Der 56-jährige Geschäftsführer der Heger-Gruppe mit Hauptsitz in Enkenbach-Alsenborn folgt Gerhard F. Braun, der nach 20 Jahren an der Spitze des Unternehmerverbands nicht erneut für das Amt kandidiert hatte. Heger sprach die Versorgungssicherheit mit Energie im Land an. Wie sein Vorgänger Braun forderte er eine Energiebedarfsanalyse des Landes. Bereits vor Monaten hat das Klimaschutzministerium auf eine geplante Wasserstoffstudie verwiesen, aus der auch Erkenntnisse zum Energiebedarf erwartet werden.
Seit dem Angriff auf die Ukraine spielten die Energie- und Rohstoffmärkte verrückt, sagte Heger. Das erzeuge Unsicherheit . „Und Unsicherheit ist Gift.“ Die Wirtschaft im Land sei durch die Pandemie und durch die Flutkatastrophe im Ahrtal besonders belastet. Deshalb müsse sich die Politik mit den drängenden Themen beschäftigen, zu denen auch die Fachkräftegewinnung zähle und die Infrastruktur. „Wenn man einen Spaten in den Boden rammt, muss man die Netze, die Stromtrassen mit ausbauen“, sagte der neue LVU-Chef, der zugleich Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Pfalzmetall ist.
„Gelebte Verantwortung“
Seine Kritik an der Landespolitik begründete er mit der Themenauswahl, die in der jüngsten Plenarsitzung als Aktuelle Debatten auf der Tagesordnung des Mainzer Landtags standen: Die Privilegien des Altkanzlers Gerhard Schröder, ein Thema, das die Freien Wähler eingebracht hatten, und die Bafög-Reformen, die auf FDP-Antrag debattiert wurden. „Der ganze Landtag ist scheuklappenartig unterwegs und hangelt sich von Gedenktag zu Gedenktag“, schimpfte Heger. In der vergangenen Woche feierte Rheinland-Pfalz seinen 75. Geburtstag. Einzig Integrationsministerin Katarina Binz (Grüne) nahm er aus. Die Ankunft von 35.000 geflüchteten Menschen aus der Ukraine zu organisieren, gelinge ihr „eindrucksvoll“, sagte er.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gratulierte Heger und würdigte Braun beim Unternehmertag in Mainz mit 300 geladenen Gästen. „Gelebte Verantwortung für unser Land, den Standort und die Menschen zeichneten Sie als erfolgreicher Unternehmer und Ihr langjähriges Engagement in der Verbandsarbeit aus.“ Zum Angriffskrieg auf die Ukraine sagte sie, er bedeute eine Zeitenwende und habe viele Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz mit seinen vielen energieintensiven Unternehmen.