Bahnverkehr Mannheim profitiert von XXL-ICE
Die DB hatte zunächst zwei Varianten des ICE 4 bestellt. 37 Stück einer kürzeren mit sieben Wagen und 100 Stück einer längeren mit zwölf Wagen. Die kürzere Variante ist vor allem für Linien gedacht, auf denen zwei Zugteile gekuppelt fahren und unterwegs getrennt werden. Das gilt vor allem für die Linie von Berlin nach Nordrhein-Westfalen, die aus einem Ruhr- und einem Wupper-Flügel besteht. Der letztgenannte fährt ab Hamm über Wuppertal nach Köln, der erstgenannte über Dortmund und Essen nach Düsseldorf. Ab Mitte Dezember soll hier der ICE 4 eingesetzt werden.
Knapp 90 Plätze und ein Powercar mehr
Wegen gestiegener Fahrgastzahlen hat die DB für die zweite Hälfte der 100 langen ICE 4 einen zusätzlichen Wagen nachbestellt. Durch diesen 13. Wagen steigt die Anzahl der Sitzplätze um 88 auf 918. Bei diesem zusätzlichen Wagen handelt es sich um ein Powercar mit Antrieb. Der ICE 4 hat die Besonderheit, dass sich Wagen mit (Powercar) und ohne Antrieb kombinieren lassen.
Die DB scheut sich derzeit, konkrete Aussagen über die künftigen Einsatzstrecken der neuen Züge zu machen, weil sie sich möglichst viel Dispositionsspielraum erhalten will. Offiziell angekündigt hat sie bisher nur, dass der 13-teilige ICE 4, für den sie nun halboffiziell dier Bezeichnung XXL-ICE verwendet, ab Juni 2021 auf der ICE-Linie 20 von Hamburg über Mannheim nach Chur eingesetzt werden soll.
Lang-Version für Schnellstrecke besser geeignet
Ab September 2021 sollen die verlängerten Einheiten auch „zwischen Nordrhein-Westfalen und München“ fahren. Nach RHEINPFALZ-Information ist damit die ICE-Linie 42 von Dortmund über Mannheim nach München gemeint. Hier steht der Einsatz des 13-Teilers in einem Kontext, der für die DB etwas unangenehm ist. Um den Mangel an ICE 3 zu lindern, wird der ICE 4 derzeit in wesentlich größerem Umfang als ursprünglich geplant auf der Linie 42 eingesetzt. Durch einen ICE 4 lassen sich hier zwei ICE 3 ersetzen, die unter anderem für die Sprinterzüge auf der Strecke von Berlin nach München gebraucht werden.
Ein zwölfteiliger ICE 4 hat allerdings etwas weniger Platzkapazität als eine ICE-3-Doppeleinheit. Außerdem kann der nur für Tempo 250 zugelassene ICE 4 die Fahrzeiten des schnelleren ICE 3 auf der Schnellstrecke Köln–Rhein/Main nicht einhalten, die mit ihren extrem starken Steigungen von bis zu 4 Prozent technisch besonders anspruchsvoll ist. Deshalb musste bei den vom ICE 4 übernommenen Zügen der Halt in Siegburg gestrichen werden, was im Raum Bonn für viel Ärger gesorgt hat.
13-Teiler wohl nur eine Zwischenlösung
Dank seines zusätzlichen Powercars dürfte der 13-teilige ICE 4 etwas besser für die strapaziöse Berg- und Talfahrt auf der Strecke durch den Westerwald gerüstet sein als der 12-Teiler. Außerdem hat er eine ähnlich hohe Platzkapazität wie eine ICE-3-Doppeleinheit. Der 13-Teiler ist auf der Linie 42 aber wahrscheinlich nur eine Zwischenlösung bis zur Lieferung der 30 kürzlich bei Siemens bestellten ICE, die auf der Schnellstrecke mit Tempo 300 fahren können. Die im Zusammenhang mit dem Klimaschutzpaket der Bundesregierung georderten Züge werden von der DB nun als „ICE 3 neo“ bezeichnet. Sie sollen mit Vorrang auf Linien zum Einsatz kommen, die über die Köln–Rhein/Main-Strecke fahren.
Die ICE 4 sollen auf dieser Strecke aber künftig bei den Zügen eingesetzt werden, die zu Zielen in der Schweiz jenseits von Basel fahren. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und die DB haben angekündigt, dass ab 2026 die Anzahl der Direktfahrten zwischen Deutschland und der Schweiz über Basel von heute 26 auf 35 steigen soll. Profitieren sollen davon unter anderem Lugano, Chur und Ziele im Wallis.
Kommentar: Die Bahn bleibt auf Klimaschutz-Kurs
