Wirtschaft
Mannheim: Mitarbeiter von Verkauf der ABB Stromnetzsparte betroffen
Mit dem größten Bereichsverkauf in der Unternehmensgeschichte und einem erneuten Konzernumbau versucht ABB den Befreiungsschlag. Für 9,1 Milliarden Dollar (8 Mrd Euro) verkauft ABB den größten Teil seiner Stromnetzsparte an die japanische Hitachi. Am Standort Mannheim dürften davon rund 1.000 der 2.000 Mitarbeiter betroffen sein.
Das verbleibende Geschäft krempelt ABB-Chef Ulrich Spiesshofer um, er erhofft sich davon mehr Wachstum und Gewinn. Mit den Maßnahmen erfüllt der Schweizer Elektrotechnikkonzern Forderungen des aktivistischen Investors Cevian, der rund 5 Prozent der ABB-Aktien hält. „Wir anerkennen, dass nicht alles perfekt gelaufen ist“, sagte Spiesshofer gestern. Der frühere Unternehmensberater hatte dem Konzern mit einem milliardenschweren Sparprogramm und einer stärkeren Ausrichtung auf die Digitalisierung seinen Stempel aufgedrückt.
Schlechte Aktienentwicklung
Doch obwohl ABB Megatrends wie erneuerbare Energie, Elektromobilität oder den zunehmenden Einsatz von Robotern bedient, hat das Wachstum bisher enttäuscht. Seit dem Amtsantritt Spiesshofers im September 2013 hat die ABB-Aktie an Wert verloren und sich damit deutlich schlechter entwickelt als der europäische Industriesektor insgesamt und der deutsche Rivale Siemens. Ein Insider sagte, die Aktionäre dürften Spiesshofer einen letzten Versuch gewähren, mit dem neuen Maßnahmenbündel das Steuer herumzureißen. ABB Deutschland hat seinen Sitz in Mannheim. Hier arbeiten rund 2000 Mitarbeiter für den Konzern. Hiervon dürften rund die Hälfte von der Transaktion betroffen sein. Zusammen weitere 2000 ABB-Mitarbeiter gibt es an den Standorten Heidelberg und Ladenburg, sie sind von dem Verkauf wohl nicht betroffen. Auf Anfrage sagte ein ABB-Sprecher in Zürich, die Anzahl der Mitarbeiter und Betroffenen an den einzelnen Standorten teile ABB nicht mit. Ein Stellenabbau sei nicht geplant. ABB kooperiere seit 2014 mit Hitachi und setze auf Kontinuität, sagte der Sprecher, die Transaktion sei ein Prozess, der sich bis 2020 erstrecke und zu dem derzeit keine Details für einzelne Standorte genannt werden könnten. Die Pressestelle in Mannheim war gestern für eine Stellungnahme auch nach mehreren Anfragen nicht erreichbar.
Ausschüttungen an die Aktionäre
Der Verkauf eines Anteils von 80,1 Prozent an der Sparte Power Grids bringt ABB nach Kosten und Steuern netto 7,6 bis 7,8 Milliarden Dollar ein. Tatsächlich in der Kasse hat der Konzern das Geld aber erst, wenn die Transaktion in der ersten Jahreshälfte 2020 vollzogen ist. Diesen Erlös will ABB über Aktienrückkäufe oder ähnliche Transaktionen an die Aktionäre ausschütten. ABB habe eine Option, später auch noch die restlichen Anteile an der Stromnetzsparte zu verkaufen. Für Hitachi ist die ABB-Stromnetz-Sparte der größte Deal in der Unternehmensgeschichte. Der japanische Konzern, der in den vergangenen Jahren mit der Restrukturierung von Bereichen wie dem TV-Geschäft massive Verluste eingefahren hatte, erfüllt damit sein Versprechen, das Energie-Geschäft zu stärken. Power Grids kam 2017 mit rund 36.400 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 10,4 Milliarden Dollar, ein Viertel des gesamten Konzernumsatzes. Bei der Profitabilität hinkt das Geschäft den anderen Sparten aber hinterher.
Mehr Selbstverantwortung
Die Stromnetz-Division stellt Produkte her, mit denen Strom vom Kraftwerk wegtransportiert wird, etwa Transformatoren. Aus den verbleibenden drei Divisionen Elektrifizierung, Industrieautomation und Robotik & Antriebe will ABB vier machen, denen mehr Selbstverantwortung eingeräumt wird: Elektrifizierung, Industrieautomation, Robotik & Fertigungsautomation und Antriebstechnik. Mit dem Umbau will ABB zudem die Konzernzentrale weiter abspecken und jährlich 500 Millionen Dollar sparen.
