Wirtschaft Mannheim: Bilfinger rechnet auch 2018 mit Verlust

Vorstandschef Tom Blades (Foto) braucht für die Zukunftsgestaltung von Bilfinger nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch Par
Vorstandschef Tom Blades (Foto) braucht für die Zukunftsgestaltung von Bilfinger nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch Partner – etwa den Betriebsrat. Mit ihm wird derzeit über die Vereinheitlichung der Altersvorsorge-Regeln für neue Mitarbeiter verhandelt.

Der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger SE erwartet auch im laufenden Jahr keinen Gewinn. Eine der Ursachen sind die weiterhin anfallenden Restrukturierungskosten, die für 2018 mit 50 Millionen Euro kalkuliert sind. Derzeit geht das Management auch für 2019 und 2020 von einem solchen Kostenblock aus, der sich in beiden Jahren auf 35 Millionen Euro summiere.

Das kündigte Finanzvorstand Klaus Patzak bei der gestrigen Jahrespressekonferenz in Mannheim an. Bereinigt um die Sonderaufwendungen werde Bilfinger im laufenden Jahr operativ einen Gewinn erwirtschaften. Für 2017 und auch für 2018 muss die Dividende aus den Rücklagen gezahlt werden. Für das Jahr 2019 könne das „vielleicht schon anders“ aussehen, sagte Finanzchef Patzak. Für 2017 soll, wie im Vorjahr, je 1 Euro pro Aktie ausgeschüttet werden, sofern die Hauptversammlung zustimmt. Der Vorstand hatte sich im vergangenen Jahr selbst zu dieser Mindestausschüttung verpflichtet. 2017 war inklusive Sonderausgaben ein Verlust von 89 Millionen Euro aufgelaufen. Im Jahr davor hatte der Ertrag bei 271 Millionen Euro gelegen, in dem allerdings ein Veräußerungsgewinn in Höhe von 539 Millionen Euro enthalten war. Mitverantwortlich für das Minus im vergangenen Jahr waren Restrukturierungskosten von 121 Millionen Euro, die unter anderem durch höhere Rückstellungen für Altprojekte in den USA (50 Millionen Euro) anfielen. Zudem gab es Aufwendungen für die Konzentration der Anzahl der Konzerngesellschaften (März 2016: 279; Ende 2017: 196; Ziel 2010: 160), außerdem für die Vereinheitlichung von Informationstechnologie (20 Millionen Euro) und für den Aufbau eines engmaschigen Kontrollsystems für die Einhaltung der Unternehmensregeln (Compliance, 10 Millionen Euro). Für das laufende Jahr kalkuliert Bilfinger mit weiteren 50 Millionen Euro Restrukturierungskosten, für 2019 und 2020 mit zusammen noch einmal 35 Millionen Euro. Trotz dieser weiterhin hohen Sonderausgaben betonte Vorstandschef Tom Blades, das Unternehmen sei „auf einem guten Weg“. Er verwies auf das zweite Halbjahr 2017: In den Quartalen drei und vier sei das um die Restrukturierungskosten bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) erstmals seit drei Jahren wieder organisch gewachsen, im vierten Quartal alleine um 8 Prozent zum Vorjahresquartal. Auch der Auftragseingang habe im dritten und vierten Quartal erstmals organisch wieder höher gelegen, im Schlussquartal um 6 Prozent. „Im letzten Quartal 2017 hat alles funktioniert, was wir uns vorgenommen haben“, unterstrich der Vorstandschef. Damit sei die Basis für Wachstum gelegt. Im Gesamtjahr war die Leistung mit 4,024 (Vorjahr: 4,219) Milliarden Euro allerdings um 5 Prozent geringer als 2016, aber über der „psychologisch wichtigen Marke von 4 Milliarden“, so Blades. Der Auftragseingang war mit gut 4 Milliarden Euro unverändert. Bilfinger sei „noch kein stabiles Unternehmen, aber ein stabileres Unternehmen als 2016“. Blades’ Optimismus gründet sich unter anderem auf die konjunkturell erholte Öl- und Gasbranche, was sich „später im Jahr“ auch bei Bilfinger niederschlagen werde, vor allem in den USA. Auch neue Kompetenzen, etwa die auf Digitalisierung basierende Effizienzsteigerung von Industrieanlagen oder Innovationen für Einsparungen bei Zementproduzenten sollen 2018 potenziellen Kunden offeriert werden. Für 2018 rechnen die Mannheimer mit einem organischen Wachstum beim Auftragseingang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Bei einem stabilen bis leicht wachsenden Umsatz – ab diesem Jahr weist das Unternehmen keine Leistung mehr aus – werde das bereinigte Ebita eine deutliche Steigerung verzeichnen. Sie werde sich im mittleren bis höheren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen, kündigte Blades an. Bilfinger beschäftigte im vergangenen Jahr 35.644 Menschen, im Jahr zuvor waren es noch 36.946. In Mannheim waren zum Jahresende 2017 noch 220 Mitarbeiter beschäftigt, 60 weniger als vor Jahresfrist. Sie werden bis spätestens Ende August in das neue, langfristig angemietete Verwaltungsgebäude in der Nähe der Hochschule Mannheim umziehen, kündigte Arbeitsdirektor Michael Bernhardt auf Nachfrage an. Aktienchart

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