Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Möglicher Wirkstoff gegen Covid-19: Roches Attacke gegen das Coronavirus

Ein Blick in die Produktionsforschung bei Roche: Der Schweizer Konzern produziert derzeit auf Hochtouren Tests auf Sars-CoV-2.
Ein Blick in die Produktionsforschung bei Roche: Der Schweizer Konzern produziert derzeit auf Hochtouren Tests auf Sars-CoV-2.

Der Schweizer Pharma- und Diagnostika-Konzern Roche, zu dem auch ein großer Standort in Mannheim mit 8370 Mitarbeitern gehört, konnte bereits zweimal wesentliche Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus beisteuern. Jetzt kündigt sich ein weiterer Schlag an.

Bereits Anfang April will Roche in größerem Umfang testen, wie ein eigenes Medikament bei Patienten wirkt, die schwer an Covid-19 erkrankt sind. Covid-19 ist der Name der Krankheit, die das Coronavirus Sars-CoV-2 beim Menschen auslöst. Bei dem Roche-Medikament handelt es sich um Actemra, ein Mittel das eigentlich gegen Arthritis eingesetzt wird, eine entzündliche Gelenkerkrankung, und das in 110 Ländern weltweit zugelassen ist.

Erste Hinweise auf positive Wirkung

Wie der Schweizer Konzern am Donnerstag weiter mitteilte, habe es bisher einige unabhängige klinische Tests gegeben, die Hinweise auf eine positive Wirkung bei der Behandlung von Patienten mit einer Covid-19-Lungenentzündung zeigten. Roche weist darauf hin, dass Actemra von der Nationalen Gesundheitskommission der Volksrepublik China in den aktuellen Diagnose- und Behandlungsplan für Covid-19 aufgenommen wurde. In China hat Covid-19 seinen Ursprung, dort sind bislang die meisten Infektionen gezählt worden, inzwischen gibt es dort aber offenbar keine Neuinfektionen mehr. Nach Informationen der RHEINPFALZ wird Actemra auch in Italien bei der Behandlung von Covid-19-Patienten mit sehr schwerem Krankheitsverlauf eingesetzt.

Anzeichen einer Covid-19-Infektion sind Atemwegsbeschwerden wie etwa Husten, Kurzatmigkeit, Atemprobleme und auch Fieber, in schwereren Fällen auch Lungenentzündungen und Nierenversagen. Offenbar kommt der anti-entzündlichen Wirkung des Arthritis-Medikamentes besondere Bedeutung zu. Dieses Potenzial könnte Actemra bei den Lungenentzündungen ausspielen, die bei schweren Verläufen der Virusinfektion auftreten können.

Start im April mit 330 Patienten weltweit

Der nun von Roche angekündigte Test sei wichtig, so der Konzern, weil es bislang keine streng überwachten Studien und nur eingeschränkte Hinweise zur Wirksamkeit und Sicherheit von Actemra in der Behandlung von Covid-19-Patienten gebe. Damit solle die Wirkung nun klinisch-wissenschaftlich nachgewiesen werden. Actemra ist derzeit von keiner Gesundheitsbehörde für eine Anwendung bei Covid-19 zugelassen.

Roche will nun „so früh wie möglich“ Anfang April mit der Studie beginnen. Sie soll 330 Patienten weltweit umfassen. Untersucht werden dabei erwachsene Covid-19-Patienten, die in einer Klinik behandelt werden müssen und an einer Lungenentzündung mit sehr schwerem Verlauf leiden. Roche arbeitet mit der US-Gesundheitsbehörde FDA zusammen, um Actemra in einer sogenannten Phase-III-Studie der klinischen Entwicklung zu testen. Das ist bemerkenswert, denn das ist eine weit fortgeschrittene Phase der klinischen Entwicklung, die gewöhnlich der Markteinführung unmittelbar vorausgeht. Sie wird auch nur dann durchgeführt, wenn von einer Wirksamkeit des Arzneimittels ausgegangen wird.

Virusnachweis im Großmaßstab

Roche hatte in den vergangenen Wochen bereits zwei wesentliche Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus vermelden können. So war der Konzern einer der ersten, der einen Nachweis des Virus Sars-CoV-2 zur Verfügung stellte. Dieser Test erfordert aber noch relativ viel Zeit und Personaleinsatz. Vergangene Woche legte Roche nach und präsentierte den ersten kommerziellen Virusnachweis für den Großmaßstab. Auf den weltweit relativ weit verbreiteten vollautomatischen Roche-Analysesystemen namens Cobas dauert ein Nachweis nun dreieinhalb Stunden. Mit einem Gerät können jetzt bis zu 4128 Einzeltests in 24 Stunden durchgeführt werden. Laut Roche gibt es in Deutschland rund 100 dieser Geräte. Der Konzern produziert derzeit rund 3,5 Millionen Einzeltests pro Monat für Cobas und rund fünf Millionen pro Monat für den älteren, langsameren Test.

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