Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Lieferkettengesetz: Große Schwächen

Arbeiter auf einer Teeplantage in Sri Lanka.
Arbeiter auf einer Teeplantage in Sri Lanka.

Die Studie der Nothilfeorganisation Oxfam zeigt die Probleme des Lieferkettengesetzes auf. Verbraucher könnten aber Signale setzen.

Kaffee aus Brasilien, Wein aus Südafrika oder Tee aus Indien sind bei Verbrauchern in Deutschland sehr beliebt. Doch hinter der Herstellung dieser und anderer Produkte aus fernen Ländern verbergen sich oft menschenunwürdige Schicksale. Das bringt die Studie der Nothilfeorganisation Oxfam an den Tag. Was schwerer fällt, ist Lieferketten genau nachzuvollziehen – von den Plantagen vor Ort bis in die Regale der heimischen Lebensmittelmärkte. Denn diese Ketten sind oft vielstufig und laufen über viele Sublieferanten.

Die Schwierigkeit der Überprüfung

In einem Fall – brasilianischem Kaffee aus sklavenähnlicher Produktion – glaubt Oxfam, den Weg in deutsche Supermärkte genau belegen zu können, Dabei ist man auf Plausibilitäten angewiesen. Bei den riesigen Marktanteilen von Supermarktketten und Discountern und den in ihren Filialen angebotenen Mengen an Kaffee oder Tee sei es schier unmöglich, dass nicht zumindest Teile davon aus anstößiger Produktion stammen, argumentiert Oxfam.

An dem Punkt offenbart sich auch eine zentrale Schwäche des neuen deutschen Lieferkettengesetzes. Denn genau nachprüfen, ob Menschenrechte bei der Herstellung von Produkten verletzt werden, müssen deutsche Handelskonzerne oder sonstige Auftraggeber nur in der ersten Lieferantenstufe. Bei Kaffee wären das beispielsweise die heimischen Röstereien. Dort aber werden Menschenrechte sicher nicht verletzt. Weiter hinten in der Lieferkette müssen deutsche Auftraggeber nur aktiv werden, wenn es belastbare Hinweise auf ein Fehlverhalten gibt.

Zunächst eine Ankündigung

Es gibt allerdings Hinweise auf ein Umdenken im Lebensmitteleinzelhandel, wie das Beispiel von Aldi zeigt. Der Discountriese will bis zum Jahr 2030 auf Billigfleisch verzichten. Das ist ein Signal für die gesamte Branche. Wie ernsthaft die Ankündigung umgesetzt wird und ob sie Nachahmer findet, muss sich noch zeigen.

Aber auch Verbraucher könnten Signale setzen etwa durch den Kauf von Lebensmitteln aus fairer Produktion, die durch entsprechende Siegel erkennbar sind.

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