Wirtschaft Leitartikel: Viel Potenzial trotz Pannen

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Das Duo Richard Lutz und Berthold Huber gibt Bahnkunden Anlass zu vielen Hoffnungen. Wichtig ist gerade, wie mit Fehlern und Pannen umgegangen wird. Im ICE-Verkehr zwischen Berlin und München hat das gut geklappt. Das deutsch-französische Unternehmen Alleo hat sich beim Meistern von Problemen besonders bewährt.

Vor knapp einem Jahr brauchte Deutschland plötzlich einen neuen Bahnchef. Rüdiger Grube trat völlig unerwartet zurück, weil ihm eine Verlängerung seines Vertrags nur noch für zwei statt der erwarteten drei Jahre angeboten wurde. Grube hätte einen besseren Abgang verdient gehabt. Er hat viel dafür getan, das von seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn schwer ramponierte Image der Deutschen Bahn (DB) zu verbessern. Er hat seinem Nachfolger mit dem desaströsen Milliardengrab Stuttgart 21 aber auch ein schweres Erbe hinterlassen. Ende März berief der DB-Aufsichtsrat dann DB-Finanzchef Richard Lutz zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Der Sohn eines Pfälzer Eisenbahners, der in Landstuhl geboren und in Kindsbach (Kreis Kaiserslautern) aufgewachsen ist, überzeugt durch Kompetenz und wirkt mit seiner unprätentiösen Art für einen Top-Manager auch außergewöhnlich sympathisch. Gleichzeitig mit der Bestellung von Lutz zum Vorstandsvorsitzenden wurde der Vertrag von Personenverkehrschef Berthold Huber um fünf Jahre verlängert. Es ist in der Geschichte der DB eine – vorsichtig ausgedrückt – nicht selbstverständliche Situation, dass der Posten des Vorstandschefs und der des für die meisten Endkunden zuständigen Ressortchefs mit echten Sympathieträgern besetzt sind. Ihre Handschrift ist beispielsweise erkennbar in den neuen ambitionierten Klimaschutzzielen, die den ganzen DB-Konzern betreffen, bei denen der Personenfernverkehr aber eine besonders prominente Rolle spielt, weil er seit Jahresanfang komplett mit Ökostrom fährt. Sympathieträchtig ist auch das klare Bekenntnis von Huber und Lutz zu den ICE-Speisewagen, mit denen sich die DB nicht zuletzt vom französischen TGV positiv abhebt. Leider sind die beiden Sympathieträger Lutz und Huber aber keine Gewähr dafür, dass nun alles besser klappt als früher. Eklatantestes Beispiel dafür war der verpatzte Start der ICE-Vorzeigelinie von Berlin nach München über die neue Schnellfahrstrecke durch den Thüringer Wald. Immerhin hat die DB die Probleme nach der anfänglichen Pannenserie schnell in den Griff bekommen und Lutz hat in dieser Woche angekündigt, das ICE-Sprinter-Angebot zwischen Berlin und München zum nächsten Jahresfahrplanwechsel deutlich auszuweiten. Ein weiteres Beispiel für eine peinliche Panne ist der Wegfall der Bahncard-Ermäßigung in Frankreich bei flexibel nutzbaren ICE-Tickets nach Paris. Dies passt überhaupt nicht zur Linie von Huber, der in den vergangenen Jahren viel dafür getan hat, die Bahncard 50 attraktiver zu machen. Wie berichtet, ist der Wegfall des Rabatts auf einen DB-internen Irrtum zurückzuführen. Aus Kundensicht ist das ein Ärgernis, aber verzeihlich, wenn der Fehler nun möglichst schnell korrigiert wird. Die Kunden dürfen jetzt eigentlich erwarten, dass es zum frühesten technisch möglichen Termin wieder die gleichen Konditionen für die Flexpreis-Tickets mit der Bahncard gibt wie vor dem Fahrplanwechsel im Dezember. Die DB hat umso mehr Grund, diesen Fehler schnellstens wieder auszubügeln, als sie gerade beim Verkehr mit ICE und TGV zwischen Paris und Südwestdeutschland eigentlich sehr gut dasteht. Alleo, die gemeinsame Tochter der DB und der französischen Staatsbahn SNCF, ist zu Recht immer wieder von den Chefs beider Bahnen sehr gelobt worden. Obwohl es vor allem wegen störanfälliger ICE der Baureihe 406 oft Probleme zu meistern gab, erreichen die Alleo-Züge nicht zuletzt wegen der deutsch-französischen Teams an Bord bei der Kundenzufriedenheit hervorragende Werte. Ganz anders ist die Situation bei den Thalys-Zügen zwischen Köln und Paris. Bei Thalys ist die DB im Streit ausgestiegen und verkauft seitdem nicht mal mehr Fahrkarten für Thalys-Züge. Auch am 55. Jahrestag des Elysee-Vertrags kann man beispielsweise am Bahnhof in Bonn zwar alles Mögliche kaufen, aber kein Zugticket nach Paris.

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