Wirtschaft Kontroverse um künftigen Deutschland-Takt

Flixbus hat auf dem deutschen Fernbusmarkt einen Marktanteil von über 90 Prozent. Das Bild entstand in Berlin.
Flixbus hat auf dem deutschen Fernbusmarkt einen Marktanteil von über 90 Prozent. Das Bild entstand in Berlin.

«Ludwigshafen.» Die Idee eines Deutschland-Takts im Bahnverkehr nach Schweizer Vorbild hat in den vergangenen Jahren immer mehr politische Akzeptanz gefunden. Die Bundesregierung hat angekündigt, dass im Herbst ein „Musterfahrplan für die Bahn im ganzen Land“ präsentiert werden soll. Scharfe Kritik an diesem Konzept kommt nun von Flixbus-Chef André Schwämmlein.

Flixbus ist mit einem Marktanteil von über 90 Prozent klar dominierender Marktführer bei Fernbussen in Deutschland. Auf zwei Strecken (von Stuttgart über Heidelberg nach Berlin und von Köln nach Hamburg) bietet das Unternehmen unter dem Namen Flixtrain nun auch Züge an, die allerdings deutlich seltener fahren als auf den im Takt bedienten Intercity- und ICE-Linien der Deutschen Bahn (DB). Während sich die DB nach anfänglichem Sträuben inzwischen mit dem Begriff und wichtigen Elementen des Deutschland-Takts angefreundet hat, kommt von Flixbus-Chef Schwämmlein scharfe Kritik: „Einen Deutschland-Takt einzuführen ist herausgeschmissenes Geld. Die Politik hat keinen Einblick in die Fahrbedürfnisse der Kunden. Wie will sie einschätzen, wo wie viele Züge eingesetzt werden müssen? Was sie anstrebt, ist ein verallgemeinernder Ausbau. Das wird dem Netz nicht helfen, keinen einzigen Kunden gewinnen aber viele Milliarden Euro an Steuergeldern kosten. Stattdessen sollte die Regierung dieses Geld in das Netz investieren und dann uns Private und die Deutsche Bahn im direkten Wettbewerb gegeneinander antreten lassen“, forderte Schwämmlein. Es gebe weitaus Wichtigeres, als sich dem Deutschland-Takt zuzuwenden. Zuallererst müsse die Bundesregierung dafür sorgen, dass die Deutsche Bahn ein gutes Verkehrsnetz schaffe. Das gesamte Netz müsse so ausgebaut werden, dass Ausweichtrassen vorhanden seien und Engpässe beseitigt würden. „Die Rheinschiene mit den Haltestellen Köln, Düsseldorf und Duisburg, inklusive der Verlängerung über Essen und Dortmund, ist voll. Auch der Frankfurter Bahnhof platzt aus allen Nähten. In diese Strecken muss man investieren“, betonte Schwämmlein. „Wenn wir den Kunden in unrealistische Taktsysteme zwängen, bringt das den Verkehr auf der Schiene nicht weiter. Die richtigen Zeiten bestimmt nicht die Bundesregierung, sondern der Kunde. Es ist ein fataler Irrglaube, dass man politisch festlegen könnte, wann Menschen reisen sollen“, sagte der Flixbus-Chef. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat dagegen schon frühzeitig viel Sympathie für die Idee des Deutschland-Takts gezeigt. Dies liegt vor allem daran, dass die integralen Taktfahrpläne der Bundesländer wie der Rheinland-Pfalz-Takt und der Bayern-Takt zusätzliche Attraktivität gewinnen würden, wenn sie dank einer optimierten Vernetzung mit dem Fernverkehr Teil eines bundesweiten Taktsystems werden. Rheinland-Pfalz gehörte zu den Opfern des Programms „Mora“ (für „marktorientiertes Angebot“), mit dem die DB in der Zeit von Bahnchef Hartmut Mehdorn ihr Fernzugangebot deutlich reduzierte. In der Pfalz fiel deswegen die Interregio-Linie von Saarbrücken nach Lindau weg, die in Kaiserslautern und Neustadt optimal mit dem Rheinland-Pfalz-Takt verknüpft war. Die Lücken, die der Rückzugskurs des DB-Fernverkehrs in die Taktfahrpläne gerissen hat, haben erheblich dazu beigetragen, den Forderungen nach einem Deutschland-Takt politisches Gehör zu verschaffen. Kommentar

x