Wirtschaft Kontroverse Diskussionen um Asthma aus dem Auspuff

Die Luftverschmutzung in den Städten sorgt für Proteste wie hier vor dem Bundesverkehrsministerium. Die dabei verwendeten Zahlen
Die Luftverschmutzung in den Städten sorgt für Proteste wie hier vor dem Bundesverkehrsministerium. Die dabei verwendeten Zahlen sind allerdings in vielen Fällen umstritten.

«Frankfurt.» Dieselskandal, Grenzwerte, Fahrverbote – der Diesel ist kein Selbstläufer mehr. Die Diskussion um die Stickoxide (NOx) hat viele Autofahrer verunsichert. Hier einige Fragen und Antworten.

Wie gefährlich sind Stickoxide?

Die EU-Umweltagentur schätzt, dass in einem Jahr alleine in Deutschland 10 000 Menschen wegen der Luftverschmutzung mit Stickoxid (NOx) vorzeitig sterben. Diese Zahl ist allerdings umstritten. Professor Annette Peters vom Helmholz-Zentrum für Epidemiologie sagte, Asthmatiker zeigten Asthma-Symptome, wenn sie Stickoxide einatmen – besonders Kinder. Der Münchner Toxikologie-Professor Helmut Greim sagte, ein Zusammenhang von Luftverschmutzung und Asthma bei Kindern sei offenkundig. Der EU-weite Grenzwert von 40 Mikrogramm sei vernünftig. Welche Grenzwerte gibt es? In den USA gelten 103 Mikrogramm als unbedenklich. Die EU hat die Empfehlung der Weltgesundheitsbehörde WHO übernommen: 40 Mikrogramm im Jahresmittel als Höchstwert. Er gilt auch für deutsche Straßen. Für Büros schreiben die deutschen Gesundheitsbehörden 60 Mikrogramm als Grenzwert vor. Für Beschäftigte mit einer 40-Stunden-Woche in Industrie und Handwerk dürfen es 950 Mikrogramm sein. „Ein Grenzwert ist immer ein politischer Wert“, er berücksichtige auch technische Möglichkeiten und wirtschaftliche Folgen, sagte UBA-Fachreferent Marcel Langner. Wer bläst Stickoxide in die Luft, und wie hoch ist die Belastung? Seit der Wiedervereinigung ist die Luft in Deutschland viel sauberer geworden. Das gilt für Feinstaub ebenso wie für NOx. Laut Umweltbundesamt (UBA) sank die NOx-Belastung seit 1990 von 2,9 Millionen auf unter 1,2 Millionen Tonnen. Gut 60 Prozent davon stammen aus Kraftwerken, Industriebetrieben, Heizungen von Privathaushalten und der Landwirtschaft, knapp 40 Prozent aus dem Verkehr. Die Jahresmittelwerte lagen auf dem Land bei 10, in Städten zwischen 20 und 30 Mikrogramm NO2 je Kubikmeter Luft, und auch an den verkehrsnahen Messtationen blieben sie im Durchschnitt unter 40 Mikrogramm. Laut EU-Kommission werden jedoch in 28 Regionen in Deutschland diese Grenze überschritten. Spitzenreiter im vergangenen Jahr: das Stuttgarter Neckartor mit 82 Mikrogramm. Halten andere Länder die Grenzwerte ein? Laut Greim liegt die mittlere NO2-Konzentration in Berlin bei 16, in Stuttgart bei 23, in London bei 34 und in Barcelona bei 38 Mikrogramm NO2. Laut EU-Kommission halten in Spanien drei Regionen die Grenzwerte nicht ein, in Italien zwölf, in Großbritannien 16, in Frankreich 19 und in Deutschland 28 Regionen. Wenn diese Staaten nicht rasch Luftqualitätspläne verabschieden, droht ihnen ein Verfahren wegen Verletzung der EU-Verträge. Wie reagiert Deutschland? Das Verwaltungsgericht Stuttgart hält Fahrverbote für ältere Diesel für das effektiveste Mittel. Das wäre für viele Autofahrer, Pendler, Handwerker ein Fiasko, ebenso wie für die Autoindustrie. Ob Fahrverbote kommen, dürften das Bundesverwaltungsgericht und die Politik 2018 entscheiden. An Straßen könnte etwa die Hälfte der Belastung vom Verkehr kommen. Laut Kraftfahrtbundesamt ist jedes dritte Auto in Deutschland ein Diesel. Aber der von den SUVs befeuerte Trend zum Diesel ist vorbei, die Debatte verunsichert Käufer: Im ersten Halbjahr waren nur noch 39 Prozent der Neuzulassungen Diesel. Das Umweltbundesamt sieht es so: „Bessere Luft gibt es nur, wenn alte Diesel gegen wirklich saubere Autos getauscht werden. Das sind vor allem Benziner oder Elektroautos.“

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