Online-Lebensmittelhändler RHEINPFALZ Plus Artikel Konkurrenz für Amazon, Rewe und Gorillas

Über 30 Prozent des Angebots stamme aus lokaler Produktion direkt von Bauernhöfen, Metzgern oder Bäckern, sagt das Unternehmen.
Über 30 Prozent des Angebots stamme aus lokaler Produktion direkt von Bauernhöfen, Metzgern oder Bäckern, sagt das Unternehmen.

Knuspr ist ein Online-Lebensmittelhändler mit großen Ambitionen. Binnen fünf Jahren will der Neuling am deutschen Markt die Nummer eins werden.

Lebensmittel, vor allem frische, sind übers Internet nicht einfach zu verkaufen. Selbst die Erfolge des Online-Handelsriesen Amazon damit sind überschaubar. Aber Erich Comor hat weder Angst vor dem Markt noch vor Konkurrenten wie Amazon, Ketten wie Rewe & Co oder Schnelllieferdiensten wie Gorillas. „Wir wollen mittelfristig der führende Online-Lebensmittelhändler in Deutschland werden“, sagt der Knuspr-Chef. Gestartet ist die deutsche Tochter des tschechischen Start-ups Rohlik Mitte August mit einem Standort in München. Die Wachstumspläne sind enorm. Von Frankfurt aus sollen noch dieses Jahr die Mainmetropole, Wiesbaden und Mainz versorgt werden. Weitere Metropolregionen sollen ab 2022 folgen. Insgesamt würden in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Euro in Deutschland investiert. Als hiesige Hauptkonkurrenten sieht er die Supermarktketten Rewe und Edeka, wo man bereits online bestellen und sich beliefern lassen kann.

Ab 2022 folgen weitere Metropolregionen

„Aber eigentlich haben wir noch keinen echten Wettbewerber“, sagt Comor nicht gerade bescheiden. Denn die Lieferdienste und Systeme der Konkurrenz seien nicht wie bei Knuspr speziell auf frisches Obst, Gemüse oder Fleisch zugeschnitten. „Bei uns kommen frische Erdbeeren binnen acht Stunden vom Feld zum Verbraucher“, sagt der Manager. Kunden sollen Ware binnen drei Stunden nach Bestellung erhalten. Frische Ware wird dabei schon bei der Abholung gekühlt und dann auch abgestuft im Logistikzentrum. Das ist nicht der einzige Trumpf, den Knuspr im Ärmel wähnt. „Über 30 Prozent unseres Angebots stammt aus lokaler Produktion direkt von Bauernhöfen, Metzgern oder Bäckern“, sagt der Knuspr-Chef. Im Warenkorb von Kunden seien sogar über 40 Prozent der Bestellungen typische Hofladenprodukte. Den Großhandel umgeht Knuspr als Vollsortimenter dabei kosten- und zeitsparend. Bio-Produkte haben einen Anteil von 17 Prozent, was über dem Durchschnitt im traditionellen Lebensmittelhandel liegt.

„Fahrer fest angestellt und gut bezahlt“

Drittens setzt der neue Wettbewerber im deutschen Online-Lebensmittelhandel auf gut bezahlte und fest angestellte Fahrer, auf deren Auftreten beim Kunden besonderer Wert gelegt wird. „Sie sind freundlich wie Rezeptionisten in einem Hotel“ verspricht Comor. Zwischen 2200 und 2500 Euro netto würden Knuspr-Fahrer monatlich verdienen. Unterwegs seien sie umweltfreundlich in gasbetriebenen Fahrzeugen. Sobald es die Ladeinfrastruktur zulässt, werde man auf Elektroautos umsteigen.

Der Manager streitet nicht ab, dass ein Teil der Onlineshopper, die während der Pandemie dem stationären Handel den Rücken gekehrt haben, vor allem bei frischen Lebensmitteln wieder dorthin zurückwandern werden. „Aber viele werden online bleiben“, schätzt er. Das gelte vor allem, wenn ein Online-Händler wie Knuspr ein frischeres und umfangreicheres Angebot mit großen Anteilen aus lokaler Herstellung biete als ein vergleichbarer stationärer Händler. Zudem gibt Comor ein Preisversprechen ab. „Kein Produkt soll bei uns teuerer sein als in einem Rewe- oder Edeka-Laden“, sagt er.

Ein bis eineinhalb Millionen Kunden will Knuspr mit diesem Konzept in drei bis fünf Jahren in Deutschland haben und dann 30 Millionen Deutsche mit seinem Angebot erreichen. Binnen drei Jahren will der Online-Händler auch in Deutschland profitabel sein. Deutschland ist aber nicht das Ende der Expansionspläne. Auch für Italien, Rumänien, Spanien und Frankreich gebe es konkrete Pläne und Vorbereitungen. Ziel sei es, am Ende europaweit der führende Online-Händler für Lebensmittel zu werden.

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