Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Lebensmittel online ordern – eine Option in der Corona-Krise

Große Handelsketten, wie Rewe, bioeten seit Längerem schon Lieferservice für online bestellte Waren.
Große Handelsketten, wie Rewe, bioeten seit Längerem schon Lieferservice für online bestellte Waren.

Die Supermärkte sind zum Einkaufengehen noch geöffnet – aber wie versorgen sich all jene, die wegen der Corona-Ansteckungsgefahr nicht mehr aus dem Haus gehen oder in Quarantäne sind? Eine Option ist der Online-Einkauf von Lebensmitteln, den die meisten Verbraucher aber bislang nie ausprobierten. Die wichtigsten Informationen dazu.

Lebensmittel nach Hause bestellen können Haushalte bei den Lieferservices einiger großer Handelsketten wie beispielsweise Real, Rewe oder Netto, spezialisierten Bringdiensten wie amorebio.de oder mytime.de, die bundesweit liefern, oder auch Anbietern, die nur Kunden in bestimmten Städten und Regionen bedienen.

Im Internet recherchieren: „Zunächst muss der Verbraucher einen Shop finden, der seine Wohnadresse beliefert und Artikel im Sortiment hat, die er benötigt“, rät Doris Gräfe, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Tipp: Auf vielen Händler-Homepages können Kaufinteressenten ihre Postleitzahl eingeben und bekommen angezeigt, ob eine Belieferung erfolgt.

Ältere Menschen: Sie sind vom Corona-Virus besonders gefährdet – kennen sich mit dem Internet aber oft nicht aus oder haben nicht einmal einen Computer. „Statt die Großeltern zu besuchen, können die Enkelkinder die Online-Bestellungen übernehmen“, sagt Gunnar Schwan, Projektleiter der Stiftung Warentest, die bereits Lebensmittel-Bringdienste untersuchte. Bei elektronischer Bezahlung sei es in der Regel möglich, eine von der Rechnungsadresse abweichende Lieferadresse anzugeben. Was bestellt werden soll, können die Älteren ihren Helfern am Telefon sagen. Dass die Anlieferung von Lebensmitteln nach Hause im Prinzip klappt, kennen viele bereits von Tiefkühl-Bringdiensten wie Bofrost oder Eismann.

Ohne Barzahlung: Nach Einschätzung von Test-Experte Schwan ist das Ordern von Lebensmittel übers Internet „auf jeden Fall eine Alternative für alle, die nicht mehr einkaufen gehen wollen oder können“. Wegen der Lieferung bis an die Haustür könne das hygienisch sogar vorteilhaft gegenüber einem Einkauf im Supermarkt sein. „Bei vorheriger elektronischer Bezahlung beispielsweise über die Kreditkarte ist auch keine Barzahlung nötig, es sei denn es wird Pfand bei der Rückgabe von Flaschen mit dem Bestellpreis verrechnet“, erläutert Schwan.

Produkt-Sortiment: „Wir haben in unserer Untersuchung 2018 online alles entdeckt, was man auch im Geschäft kaufen kann“, berichtet Projektleiter Schwan. Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist das Online-Angebot an frischen Lebensmitteln wie Milchprodukten, Obst oder Gemüse jedoch weniger breit als das von Nudeln, Reis oder etwa Konserven. Außerdem können zum Beispiel Äpfel oder Bananen nicht immer wahlweise pro Stück oder nach Gewicht bestellt werden, wie das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) festgestellt hat. Auch die Liefermenge an Getränken ist in der Regel beschränkt. Aktuell kann es außerdem – wie auch im stationären Handel – zu vorübergehenden Engpässen im Warenbestand kommen.

Kosten: Ein Vorteil ist, die Produktpreise der Unternehmen online gut miteinander vergleichen zu können. Aber Vorsicht: Es gibt Unterschiede bei den Liefer- oder Versandkosten, die zudem von der gewünschten Lieferzeit abhängig sein können. Die Spanne reicht von 0 bis zirka 7 Euro je Bestellung. In der Regel ist auch ein vorgegebener Mindestbestellwert einzuhalten: „Der kann bei einem Anbieter 25 Euro betragen, bei anderen 40 Euro oder mehr“, erläutert Verbraucherschützerin Gräfe. Wichtig: Bei Überschreiten eines festgelegten Bestellwertes von zum Beispiel 50 Euro berechnen einige Firmen die Lieferung nicht.

Lieferzeiten: Manche Anbieter haben einen eigenen Fuhrpark samt Fahrer oder sie beauftragen Spezialfirmen mit dem Ausliefern. Die Waren kommen häufig am Tag nach der Bestellung oder sogar noch am selben Tag beim Kunden an. Oft kann eine Wunsch-Zeitspanne beim Ordern angegeben werden. Anbieter, die mit einem der herkömmlichen Paketdienste Lebensmittel verschicken, geben die Laufzeiten meist mit 1 bis 4 Werktagen an.

Kundenschutz: Nach Auskunft der Verbraucherzentrale müssen auf der Homepage dieselben Informationen über die Waren stehen, die der Kunde auch im Geschäft auf den Verpackungen erhält, einschließlich Zutatenlisten, Nährwerten und Inhaltsstoffen, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können.

Ausnahmen: Bei frischen Produkten wie Milch und Fleisch fehlt das Mindesthaltbarkeits- oder das Verbrauchsdatum. „Dafür geben einige Anbieter eine Frischegarantie“, sagt Expertin Gräfe. Eine weitere Einschränkung gegenüber dem gewohnten Online-Einkauf: Für leicht verderbliche Lebensmittel und Waren mit rasch überschrittenem Verbrauchsdatum hat der Besteller kein Widerrufs- und Rückgaberecht.

Problem Kühlprodukte: Lebensmittel, die stets gekühlt oder sogar tiefgekühlt sein müssen, stellen laut Stiftung Warentest „eine große Herausforderung“ für Unternehmen dar, die auf derartige Produkte nicht spezialisiert sind. Selbst die Lieferung von Eiern habe sich in der Untersuchung 2018 als weniger problematisch erwiesen. Wird die Kühlkette unterbrochen, können die Produkte vorzeitig verderben – und den Kunden krank machen. Tipp: Schon beim Bestellen darauf achten, welche Kühlmaterialien (etwa Styroporboxen oderTrockeneis-Akkus) der Anbieter hat, und bei Anlieferung kontrollieren, ob die Ware ausreichend gekühlt ist. Wenn nicht: beim Händler per E-Mail oder telefonisch reklamieren.

AGB checken: Generell empfiehlt sich, vor einer ersten Bestellung die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters zu lesen – allein schon, um die genauen Lieferbedingungen zu erfahren. Die Verbraucherzentrale rät auch nachzusehen, ob auf der Homepage ein Ansprechpartner genannt ist für den Fall auftretender Probleme. Und außerdem warnen die Verbraucherschützer: „Krisen verleiten dazu, dass auch unseriöse Anbieter auf den Markt kommen.“

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