Wirtschaft Konjunkturausblick eingetrübt

Container werden im Hafen von Hamburg verladen. Die Welthandelsorganisation (WTO) senkte ihre Prognose für das Wachstum des Welt
Container werden im Hafen von Hamburg verladen. Die Welthandelsorganisation (WTO) senkte ihre Prognose für das Wachstum des Welthandels deutlich. Für 2018 seien nicht mehr – wie im April angenommen – 4,4, sondern nur noch 3,9 Prozent zu erwarten.

«Berlin». Die Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP dämpfen aus Sicht von Top-Ökonomen das Wirtschaftswachstum in Deutschland.

Aufgrund der hohen gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Autobranche werde dies „sichtbare Spuren“ beim Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts hinterlassen, heißt es in dem gestern in Berlin vorgelegten Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Im dritten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal laut Prognose nur um 0,1 Prozent zunehmen. Die Umstellungsprobleme dürften aber im Winter überwunden werden. Der Wechsel auf das WLTP-Verfahren, mit dem Abgasausstoß und Verbrauch realistischer ermittelt werden sollen, sorgt für große Probleme mit Lieferengpässen. Autohersteller mussten die Produktion drosseln. Ab September dürfen in der EU nur noch Neuwagen verkauft werden, die nach dem neuen Testverfahren zertifiziert sind. Nach Vorzieheffekten wird nun ein Einbruch beim Neuwagenverkauf erwartet. Die Forschungsinstitute nehmen an, dass der Aufschwung in Deutschland an Fahrt verliert. Für 2018 erwarten die fünf an dem Gutachten beteiligten Institute nun ein Wachstum von 1,7 Prozent – im Frühjahr waren sie noch von 2,2 Prozent ausgegangen. Für 2019 senkten sie die Prognose von 2,0 auf 1,9 Prozent. Die Ökonomen warnen außerdem vor erheblichen Folgen zunehmender Handelskonflikte für den Aufschwung in Deutschland. Die bisherigen US-Zölle hätten nur geringe Auswirkungen gehabt. „Eine Eskalation des Handelskonflikts, die zu erheblichen Zollerhöhungen der USA auf breiter Front führt, dürfte in Deutschland und in Europa eine schwere Rezession auslösen“, heißt es aber. Die EU könne den Effekt mit Gegenmaßnahmen abmildern – dies werde dann jedoch zu einem Konjunktureinbruch in den USA führen, vermuten die Experten. Seit dem Jahresbeginn habe sich das internationale handelspolitische Klima „drastisch verschlechtert“, schreiben die Institute – und verweisen auf die Ankündigung und Umsetzung von Strafzöllen durch US-Präsident Donald Trump. „Sie leiteten eine weltweite Spirale hin zu mehr Protektionismus ein.“ In dieses Horn stieß gestern auch die WTO: Die US-Strafzölle und die Vergeltungsschritte der davon betroffenen Länder belasteten den Welthandel inzwischen erheblich. Die Welthandelsorganisation (WTO) spricht von einer „Eskalation der Spannungen“ und senkte ihre Prognose für das Wachstum des Welthandels deutlich. Für 2018 seien nicht mehr – wie im April angenommen – 4,4, sondern nur noch 3,9 Prozent zu erwarten. Für 2019 rechnet die Organisation in Genf jetzt mit einem Plus von 3,7 statt 4,0 Prozent beim globalen Handelsvolumen. Dagegen bleibt der Konsum in Deutschland ein verlässlicher Posten, denn die Kauflaune hierzulande steigt. Das Barometer der Marktforscher von GfK für das Konsumklima im Oktober kletterte um 0,1 auf 10,6 Punkte. „Damit bewährt sich der private Konsum als wichtige Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl gestern zu der monatlichen Umfrage unter 2000 Verbrauchern. „Dies ist gerade in Anbetracht des Handelsstreits der EU mit den USA wichtig.“ Höhere Zölle und andere Beschränkungen träfen die Exportnation Deutschland besonders. Daher sei es um so wichtiger, in der Binnenkonjunktur einen „stabilen Anker“ zu haben. Die Verbraucher bewerteten angesichts des guten Arbeitsmarktes ihre eigenen Einkommensaussichten so gut wie seit über einem Jahr nicht mehr. Kommentar

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