Wirtschaft Kommentar zum Ansturm auf Fernzüge: Noch viel Luft nach oben
Die Anzahl der Fahrgäste in den Fernzügen steigt in frappierendem Tempo. Vor gut 20 Jahren lag sie
allerdings schon einmal höher.
Beim Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) gibt es derzeit zwei paradox wirkende Entwicklungen. Einerseits sind Klagen über Verspätungen, Zugausfälle und Komfortmängel so laut wie lange nicht mehr. Andererseits steigen die Fahrgastzahlen – und die Zuwachsraten hatten in den ersten drei Quartalen sogar noch deutlich zunehmende Tendenz. Die wichtigste Erklärung für das Phänomen dürfte darin liegen, dass die Lage bei anderen Verkehrsmitteln oft auch nicht besser ist. Insbesondere im Vergleich zum Flugverkehr stand die Bahn im Sommer trotz aller Probleme noch relativ gut da. Es gibt wohl erhebliches Potenzial für weitere Fahrgastzuwächse, wenn die Bahn die Qualität bieten würde, die ihre Kunden eigentlich von ihr erwarten dürfen. Ob es 2018 einen Rekord bei der Anzahl der Fernzug-Fahrgäste gab, ist allerdings noch unklar. Dafür müsste der Wert von 152,2 Millionen aus dem Jahr 1997 übertroffen werden. 2017 wurden in den DB-Fernzügen rund 142 Millionen Reisende befördert. Bei der DB, die in den vergangenen Jahren bereits irrtümlich Fernzug-Fahrgastrekorde verkündet hat, wurde offenbar übersehen, dass die Fahrgastzahlen in den 1990er-Jahren schon mal höher waren, bevor sie durch die Streichung der meisten Interregio-Züge deutlich sanken. Danach stiegen sie dann wieder von niedrigerem Niveau aus. Bei der in Personenkilometern gemessenen Verkehrsleistung, in die neben der Anzahl der Reisenden auch deren Reiseweite eingeht, hat die DB den früheren Höchstwert aus dem Jahr 1995 allerdings schon 2012 übertroffen.