Wirtschaft Kommentar: Zeit für die Wende

Das Wachstum in Deutschland
und dem übrigen Euro-Raum
sollte die EZB bewegen, bald
die Geldschwemme einzudämmen.
Die deutsche Wirtschaft wächst solide. Die Unternehmen produzieren mehr, ihre Auftragsbücher sind gefüllt, der Jobaufbau geht weiter voran. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist hoch. Sie liegt mit zuletzt 1,044 Millionen unbesetzten Arbeitsstellen auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die gute Arbeitsmarktlage sorgt dafür, dass die Menschen mehr Geld für Konsum ausgeben. Das stützt weiterhin die Konjunktur. Was derzeit diese solide Entwicklung am stärksten gefährdet, das ist die Verunsicherung. Sicher: Größere Veränderungen zeichnen sich ab. Aber wie sich etwa der Brexit oder die Politik des US-Präsidenten Donald Trump auswirken werden, das wird sich erst nach und nach deutlicher abzeichnen. Derzeit ist das keineswegs klar. In Frankreich und in den Niederlanden stehen wichtige Wahlen bevor, deren Ausgang die künftige Entwicklung in Europa wesentlich beeinflussen wird. Unzureichende Reformfortschritte in Griechenland und die Bankenprobleme in Italien zeigen, dass die Euro-Krise wieder auflodern könnte. Aber konkrete Auswirkungen hat das alles noch nicht. Fest steht dagegen: Die Verunsicherung bei Verbrauchern und Unternehmen bremst Investitionen und Ausgaben. Auch die Teuerung wirkt sich aus. Sie ist schneller angesprungen als erwartet – europaweit. Vor allem Benzin und Heizöl kosten wieder mehr, da haben die Verbraucher etwas weniger Geld für andere Dinge übrig. Aber all das kann derzeit das solide Wachstum in Deutschland und auch die erstarkende Konjunktur in Europa nur wenig dämpfen. Die Erwartungen für 2017 sind klar positiv, wenn das Wachstum in Deutschland auch nicht die 1,9 Prozent des vergangenen Jahres erreichen dürfte. Die gute Konjunktur im Euro-Raum und in der größten Volkswirtschaft Europas sind weitere gute Gründe für die EZB, bald ihre Geldschwemme einzudämmen.