Meinung
Kommentar: Wirtschaftskriminelle konsequent verfolgen
Strohmänner als Geschäftsführer, illegale Arbeitnehmer, die von (Schein-)Unternehmen zu (Schein-)Unternehmen weitergereicht werden, komplizierte Geldtransfers im großen Umfang, die die Herkunft von unrechtmäßig erworbener Barschaft verschleiern: Die enorm hohe kriminelle Energie der Schattenwirtschaft entfaltet sich in einem komplexen, perfekt organisierten, fest abgesteckten Rahmen. Die Abläufe sind routiniert, die Methoden bewährt. Oberstes Prinzip: kein Aufsehen erregen.
Dennoch landen Ermittler wie die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Kaiserslautern immer wieder Wirkungstreffer, sprengen illegale Netzwerke, bringen nicht nur Fälle zur Anklage, sondern auch Schuldige hinter Gitter. Das Maß an Hartnäckigkeit ebenso wie die Frustrationstoleranz, die sie für ihre Arbeit benötigen, sind enorm. Denn die Realität ist zermürbend: Für ein illegales Unternehmen, das von ihnen vom Markt genommen wird, rückt mindestens ein anderes nach. Zudem müssen die Spezialisten damit leben, dass sie sich immer wieder im Fadenkreuz hochkrimineller Figuren bewegen. Damit geht eine mehr oder minder große, persönliche Gefährdung einher. Berufsrisiko, sicherlich. Angesichts der Nähe zu Drogen- und Glücksspielkriminalität, ja sogar zu Menschenhandel darf dieses aber keineswegs unterschätzt werden. Schon deswegen verdient diese Arbeit ein hohes Maß an Respekt.
Tätigkeitsschwerpunkt Vorderpfalz
Für die Kaiserslauterer Ermittler liegt der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in der Vorderpfalz. Das ist kein Zufall: Die rege Bautätigkeit ist einer der Gründe, weswegen sie hier besonders oft bei Vor-Ort-Terminen fündig werden, denn gerade am Bau ist illegale Beschäftigung ein Dauerthema. Aber auch im Gebäudereinigungsgewerbe. Und, Tendenz wachsend: in der Pflege.
Die Digitalisierung, die es erlaubt, große Datenmengen in kurzer Zeit zu sichten, ist ein hilfreiches Instrument in der Ermittlungsarbeit gerade bei Wirtschaftsdelikten. Doch am Ende hängt es von der Schlagkraft der Ermittlungsgruppen ab, wie groß und wie häufig die Erfolge sind, die sie im Kampf gegen die organisierte Wirtschaftskriminalität für sich verbuchen können. Die Politik steckt dafür den personellen Rahmen ab.
