Wirtschaft Kommentar: Wachsende Unsicherheit

Der Streit zwischen Katar
und seinen arabischen
Nachbarstaaten könnte
auch deutsche Firmen treffen.
Der Golfstaat Katar zählt sicher nicht zu den wichtigsten Handelspartnern Europas oder gar Deutschlands. Dennoch beunruhigen die Vorgänge am arabischen Golf auch die deutschen Unternehmen. Dabei spielt es nur am Rande eine Rolle, dass durch den politischen Zwist zwischen den mächtigen Golfstaaten, die den Großteil ihres Reichtums durch Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen erzielen, diese Energieträger verteuert werden könnten. Auch ohne den Anteil Katars werden die Angebotsmengen hoch und damit die Preise eher niedrig bleiben. Entscheidend aber ist, dass es nun in einer Region zur Unruhe gekommen ist, die bisher für Unternehmer, aber auch für Investoren als zuverlässig galt. Sicher, es handelt sich durchweg um Diktatoren, die dort regieren. Aber die meisten von ihnen haben sich in den vergangenen Jahren um Öffnung bemüht, sich dem Westen durchaus angenähert und – vor allem – vieles von ihrem Geld in westliche Unternehmen investiert. Katar ist Großaktionär von Volkswagen und der Deutschen Bank, zum Beispiel. Und weil arabische Investoren, anders als auf Rendite getrimmte anglo-amerikanische Private-Equity-Firmen, vor allem auf den langfristigen Erfolg aus sind, sind sie bisher auch nicht gerade als aggressive Aktionäre aufgetreten. Ob sich das durch den neuen Zwist ändern wird, bleibt abzuwarten. Abwarten muss man auch, ob sich dadurch die Investitionsbedingungen für deutsche Unternehmen in der Region ändern werden. Kann ein deutscher Maschinenbauer noch in Abu Dhabi bauen, wenn er auch in Doha aktiv ist? Beruhigend ist das alles nicht. Es besteht aber auch kein Grund zur Panik. Doch der Fall zeigt wieder einmal, wie fragil das Netzwerk der Weltwirtschaft gebaut ist.