Wirtschaft Kommentar: Ohne Netz und doppelten Boden

Placeholder-Image

Der Brexit ist eine Kamikaze-Aktion, die ganz Irland nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich großen Schaden zufügen kann.

Auch wenn die erste Phase der Brexit-Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der EU in der vergangenen Woche nach langem Hin und Her endlich abgeschlossen wurde, bedeutet dies noch lange keine Entwarnung für die Menschen auf der Grünen Insel. Egal, ob sie im Norden und damit im Vereinigten Königreich oder im Süden in der Republik Irland leben, der Austritt der Briten aus der EU wird für sie ganz besonders schmerzhaft. Die Bindungen zwischen beiden Landesteilen sind sehr eng – auf politischer, wirtschaftlicher und menschlicher Ebene. Grenzanlagen und Grenzkontrollen, die das Land zerschneiden, kann daher niemand wollen. Eine „harte Grenze“ hat die britische Premierministerin Theresa May in der vergangenen Woche ausgeschlossen. Wie die zukünftige EU-Außengrenze mitten durch Irland dann aussehen soll, darüber schweigt sie sich aber aus. Der EU-Vorschlag, Nordirland im EU-Binnenmarkt zu belassen und die EU-Außengrenze quasi in die Irische See zu verlegen, stieß bei den nordirischen Unionisten, auf die die Regierung in London angewiesen ist, auf keine Gegenliebe. Und in Downing Street klingelten die Alarmglocken, als die schottischen Brexit-Gegner genauso wie die EU-freundlichen Londoner daraufhin sofort nach ähnlichen Regelungen verlangten. Das Problem einer EU-Außengrenze mitten durch Irland birgt immense Sprengkraft, denn eine Lösung ist nicht in Sicht. Die völlig irrationale Kamikaze-Aktion Brexit wird nicht nur Irland – dem Norden und mit Abstrichen auch der Republik – großen Schaden zufügen, sie hat auch das Potenzial, das Vereinte Königreich zu spalten, es zu zerbrechen. Und all diejenigen, die aus Trotz und parteipolitischen Erwägungen weiterhin den Austritt Großbritanniens aus der EU betreiben, werden sich hoffentlich irgendwann einmal dafür verantworten müssen.

x