Wirtschaft
Kommentar: BASF-Mitarbeiter im Härtetest
Auf Michael Heinz haben Aniliner große Hoffnungen gesetzt. Doch ein guter Arbeitsdirektor macht noch kein gutes Betriebsklima.
Der Druck in der Firma steigt. Und die psychologische Belastung wird immer größer. Unter diesen Problemen leiden viele BASF-Mitarbeiter. Und damit sind sie nicht allein. Sie befinden sich in guter – oder wenn man so will – in schlechter Gesellschaft. Denn solche Symptome als Folge zunehmender wirtschaftlicher Probleme, immer schnellerer Veränderungen und größerer Rendite-Erwartungen gibt es in vielen Unternehmen. Die Deutsche Bank versucht, sich aus dem Tal der Tränen zu kämpfen. Autokonzerne wie VW, Daimler und BMW müssen Milliardeninvestitionen für die E-Mobilität stemmen und bauen Arbeitsplätze ab. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer steckt in der Glyphosat-Krise seines höchst riskanten Milliarden-Zukaufs Monsanto fest. Und Technologiekonzerne wie ABB und Siemens zerlegen sich in Einzelteile.
Große Hoffnungen auf "Dream-Team"
Viele BASF-Mitarbeiter quer durch die Hierarchie-Ebenen setzten große Hoffnungen auf das Dream-Team Martin Brudermüller und Michael Heinz. Heinz übernahm im Frühjahr 2017 den Posten des Arbeitsdirektors und die Verantwortung für das Stammwerk. Brudermüller ist seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender. Der frühere Wasserball-Profi Heinz wird als fairer Teamspieler wahrgenommen. Und mit dem Chemiker Brudermüller sehen viele Aniliner endlich wieder einen vom Fach an der Spitze. Was Brudermüller sicher nicht will, ist angepasstes Verhalten. Doch er muss jetzt beweisen, dass er und sein Team mit dem Gewinneinbruch von 23 Prozent im vergangenen Jahr so umgehen können, dass die Stimmung bei den Mitarbeitern nicht kippt. Und Michael Heinz? Ein guter Arbeitsdirektor allein macht noch kein gutes Betriebsklima. Kürzlich hat er im Unternehmen die Gesundheitsaktion Achtsamkeit gestartet. Das Ziel ist, Mitarbeiter in hektischen Zeiten durch spezielle Pausentechniken durchatmen zu lassen. Warum gerade jetzt? Er wird schon seine Gründe haben.
