Wirtschaft Kommentar: Überraschung aus den USA

Die Arbeitnehmerseite ist gegen
die Fusion von Linde mit dem
US-Konzern Praxair. Jetzt bekommt sie Unterstützung aus den USA.
Wie ernst die Lage ist, zeigt die Börse. Um zeitweise ein Zehntel sind die Aktien des Dax-Konzerns Linde nach der Hiobsbotschaft aus den USA eingebrochen. Denn die US-Behörde FTC fordert zur Genehmigung der Linde-Fusion mit dem US-Konzern Praxair weitere Verkäufe von Firmenteilen seitens der Fusionspartner. Das ist nichts Unübliches bei einem solchen Verfahren. Der Zeitpunkt jedoch ist alarmierend. Denn die Hochzeitsglocken läuten schon. Üblicherweise ist in einer solchen Phase klar, was Sache ist. Das Veto aus den USA kommt mehr als überraschend. Sollte wirklich US-Präsident Donald Trump dahinter stecken, weil dieser einem nach Irland verlagerten Firmensitz des fusionierten Gebildes aus Linde und Praxair nicht tatenlos zusehen will, ist das Vorhaben mausetot. Denn ein Spiel auf Zeit können Linde und Praxair nicht gewinnen. Aber auch ohne Trump als Gegenspieler wäre es anspruchsvoll, bis zur Fusionsfrist am 24. Oktober noch alles hinzubekommen. Das würden sicher nicht alle als Scheitern empfinden. Heimische Belegschaft und IG Metall haben vergeblich versucht, die Firmenehe zu verhindern. Auch deutsche Aktionärsgruppen haben opponiert. Linde braucht die Fusion nicht zwingend. Das deutsche Traditionsunternehmen könnte auch gut ohne Praxair weiterexistieren, zumal Linde bei einer Fusion nur noch dem Namen nach Linde wäre.