Unterhaltung RHEINPFALZ Plus Artikel Kinderfilme retten die Kino-Bilanz

Die Minions in dem Film „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ lockten 4,3 Millionen Besucher in deutsche Kinos.
Die Minions in dem Film »Ich – Einfach unverbesserlich 4« lockten 4,3 Millionen Besucher in deutsche Kinos.

Die Stimmung in der Kino-Branche ist verhalten, denn im vorigen Jahr lief es nicht so gut wie erhofft. Umsatz und Besucherzahlen sind rückläufig.

Zwar sind die schweren Einbrüche wegen Corona überstanden, die wirtschaftlichen Ergebnisse jedoch waren erstmals wieder rückläufig. Der Umsatz der 1211 deutschen Kinounternehmen schrumpfte gegenüber 2023 um 6,5 Prozent auf 868 Millionen Euro. Auch der Ticketabsatz sank um 6 Prozent auf 90,1 Millionen, wie die Bilanz der Filmförderanstalt in Berlin zeigt. Die Eintrittspreise blieben stabil, im Schnitt kostete ein Ticket mit 9,64 Euro sieben Cent weniger.

Für FFA-Vorstand Peter Dinges ist das Ergebnis angesichts der Rahmenbedingungen dennoch zufriedenstellend: „Wir hatten nicht nur mit einer Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land und Olympischen Spielen zu tun, sondern auch mit den Folgen der Hollywood-Streiks.“ Zahlreiche potenzielle Besucherhits wie „Avatar 3“ seien verschoben worden. Die gute Nachricht für Dinges ist, dass dafür in diesem Jahr einige erhoffte Erfolgsgaranten auf die Leinwand kommen, darunter die Fortsetzungen von „Der Schuh des Manitu“ und „Der Medicus“.

Disneys „Alles steht Kopf 2“ vorn

Nicht zum ersten Mal haben die beliebten Kinder- und Animationsfilme die deutsche Kino-Bilanz gerettet. In den bundesweit 1722 Spielstätten wurden dafür 65 Prozent mehr Tickets verkauft. Noch dominanter als sonst waren dabei große Hollywood-Produktionen. Die Liste der besucherstärksten Filme führt Disneys „Alles steht Kopf 2“ an mit 5,8 Millionen verkauften Tickets, gefolgt von „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ (4,3 Millionen) und „Vaiana 2“ (3,6 Millionen“), ebenfalls von Disney. Damit stehen drei Animationsfilme an der Spitze, insgesamt platzierten sich sechs Kinderfilme unter den Top 10, darunter auf Platz sechs mit 2,9 Millionen Besuchern der erfolgreichste Titel aus deutscher Produktion, „Die Schule der magischen Tiere 3“. Daneben allerdings schafften lediglich zwei deutsche Kinofilme mehr als eine Million Besucher, „Chantal im Märchenland“ (2,7 Millionen) und „Eine Million Minuten“ (1,2 Millionen). Für die 213 deutschen Filme und Koproduktionen, die neu ins Kino kamen, wurden nur 14,8 Millionen Karten verkauft, ein Minus von fast 21 Prozent. Insgesamt schrumpfte der deutsche Marktanteil von 24,3 auf 20,6 Prozent.

Hohe Förderung

„Gefehlt haben in Deutschland gedrehte internationale Großproduktionen – kein ,John Wick’, keine ,Tribute von Panem’ wie im letzten Jahr“, begründet FFA-Vorstand Dinges den Rückgang. Damit zeige sich, dass „der Produktionsstandort Deutschland aufgrund fehlender Anreize im internationalen Wettbewerb abgehängt war“.

Allerdings fließen aus Abgaben und Steuermitteln ganz erhebliche Summen an die Branche. Allein die kulturwirtschaftliche Förderung summiert sich 2024 auf 520 Millionen Euro. Die FFA beteiligte sich mit knapp 82 Millionen Euro an der Finanzierung von Kinofilmen, unterstützte Drehbücher und Investitionen in die Digitalisierung. Aus dem Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, flossen fast 240 Millionen. Mit knapp 200 Millionen Euro unterstützten die neun Förderanstalten der Bundesländer die Filmproduktion vor Ort, um damit wirtschaftliche Effekte zu erzielen.

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