Wirtschaft
Kfz-Branche „vor brutalem Ausleseprozess“
Frankenthal. „Wir werden in unserer Branche einen natürlichen Ausleseprozess erleben, der sehr radikal und brutal vonstatten gehen wird.“ Hieran hätten die Autofirmen, die fabrikatsgebundenen Betrieben Vorgaben machten, einen Großteil zu verantworten, so Weismann am Dienstag auf Anfrage der RHEINPFALZ. Immense Investitionen in Show-Rooms, die keiner mehr unterhalten könne, und das Vorhalten von Lagerfahrzeugen und Vorführwagen, die nur mit hohen Verlusten zu verkaufen seien, nennt Weismann als Gründe. Autohäuser und Werkstätten befänden sich in einer sehr angespannten Lage. Die Corona-Problematik komme zum ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt.
In Kostenfalle getrieben
„Wenn’s schlecht geht, ruft man nach Unterstützung vom Staat. Wenn’s gut geht, treiben die Hersteller ihre Vertragspartner in die Kostenfalle, und jetzt soll der Staat einspringen!“, kritisiert Weismann, der in Frankenthal der Geschäftsleitung eines fabrikatsgebundenen Autohauses angehört. Die Unterstützung durch die Regierung könne eigentlich nur eine Steuerstundung sein und für die Arbeitnehmer ein möglichst geringer Einkommensverlust durch Kurzarbeitergeld.
Laute Schreie nach Hilfe
„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not ist ein altes Sprichwort, das auch heute noch Bestand hat. Die Betriebe, die in der Vergangenheit mit aller Gewalt Geschäfte gemacht haben, die betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar sind, und damit die gesamte Branche in eine Schieflage gebracht haben, schreien heute am lautesten nach staatlicher Unterstützung, und dafür habe ich kein Verständnis“, so der Obermeister weiter.
E-Antrieb findet wenig Akzeptanz
Kann der Wandel hin zur E-Mobilität dem Kfz-Gewerbe helfen, in eine bessere Zukunft zu blicken? Können Verbraucher helfen, indem sie gerade jetzt ein E- oder Hybridauto erwerben, zumal die Umweltboni erhöht wurden? Ohne Zweifel: Umsatz hilft immer. Umweltschutz ist immer gut. Weismann ist aber skeptisch, gerade auch mit Blick durch die Kundenbrille: Die Transformation vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb finde zurzeit noch wenig Akzeptanz bei den Verbrauchern, weil sie mit zuviel Unwägbarkeiten behaftet sei. Dazu gehörten zu geringe Reichweite, eingeschränkte Lademöglichkeiten, hohe Anschaffungskosten und zu geringe Lebenszeit des Fahrzeuges. Der Fachmann macht folgende Rechnung auf: „Da aktuell der Akku des Fahrzeuges rund ein Drittel des Gesamtfahrzeugpreises ausmacht, die Lebensdauer des Akku im günstigsten Fall zehn Jahre beträgt, werden die reinen E-Fahrzeuge auch nicht älter werden, da der Ersatz des Akkus ein wirtschaftlicher Totalschaden bedeuten würde.“ Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor können man dagegen zwischen 15 und 30 Jahre lang fahren.
Geringe Umsatzrendite
Zurück zur konkreten Lage des Kfz-Gewerbes: Viele Autohäuser seien hoch verschuldet durch Erfüllung der Standards, die die jeweiligen Hersteller vorgeben würden. Die Umsatzrendite der gut wirtschaftenden Autohäuser liege im Durchschnitt bei 1 bis 1,5 Prozent. Weismann: „Hier ist keine Luft mehr für Krisenzeiten.“ Er gehe davon aus, dass die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Bevölkerung, mindestens vier bis acht Wochen anhalten werde. Während dieser Zeit sei der gesamte Vor-Ort-Handel von Konsumgütern eingestellt. Bis wieder Normalität einkehre, dürften drei bis neun Monate vergehen. Für viele Autohäuser werde es schwer, diesen Zeitraum finanziell zu überbrücken.
Sind Betriebe bereits ganz geschlossen? Davon ist Weismann nichts bekannt. Der Vertrieb vor Ort sei eingestellt worden, die Werkstätten dürften im Moment Dienstleistungen anbieten und ihre Kunden mobil halten. Der ein oder andere Betrieb mache in Absprache mit seinen Mitarbeitern Betriebsferien.