Myanmar RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Geldscheine für Militärjunta

Geldproduktion bei G&D. Das Unternehmen arbeitet auch an einem digitalen Euro.
Geldproduktion bei G&D. Das Unternehmen arbeitet auch an einem digitalen Euro.

Der Geldnotendrucker Giesecke & Devrient setzt Zulieferungen für Myanmar aus. Die Pandemie meistert der Münchner Konzern bisher gut. Die Zukunft des Geldes ist digital – zumindest in Teilen.

Das brutale Militärregime in Myanmar braucht die landeseigene Geldnotenpresse, um seine Soldaten bezahlen zu können. Denn Auslandsvermögen der Zentralbank des südostasiatischen Staats werden international zunehmend eingefroren, und die Proteste in Myanmar selbst legen die dortige Wirtschaft inklusive Banken weitgehend still. Vor diesem Hintergrund umso wichtiger ist die Entscheidung des Münchner Geldnotendruckers Giesecke & Devrient (G&D), die Firmenchef Ralf Wintergerst zur Bilanzvorlage verkündete: „Wir setzen unsere Lieferungen an Myanmar aus, die Gewaltexzesse waren einfach zu viel.“ G&D hat bislang Fäden, Folien und Farben zum Druck der Landeswährung Kyat geliefert. Damit ist vorerst Schluss.

Protestierende vor G&D-Zentrale

Ganz von allein ist G&D aber nicht auf diese Idee gekommen. Vorangegangen waren Proteste unter anderem der Initiative German Solidarity with Myanmar Democracy. Gut 100 Vertreter dieser Gruppe hatten am Wochenende vor der G&D-Zentrale in München protestiert, weil der Geldnotendrucker zunächst nur keine neuen Aufträge aus Myanmar annehmen, Altaufträge hingegen abarbeiten wollte. Es dürfte eine Mischung aus öffentlichem Druck und eigenem Einsehen gewesen sein, die nun zum kompletten Lieferstopp geführt hat.

Humanitäres Engagement bleibt bestehen

Er wisse nicht, ob der Geldnotendruck in Myanmar derzeit noch läuft oder ob es dem dortigen Militärregime schnell gelingen könnte, Ersatz für die G&D-Zulieferungen zu bekommen, sagte Wintergerst. Von seinem Unternehmen jedenfalls gingen ab sofort keine Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe an die staatliche Sicherheitsdruckerei Security Print Works in Myanmar. Das humanitäre Engagement von G&D in Form einer Stiftung zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen in Myanmar werde dagegen aufrechterhalten.

G&D ist einer der weltgrößten Geldnotendrucker und seit gut 40 Jahren in dem südostasiatischen Land geschäftlich aktiv. Die jetzt gestoppten Lieferverträge waren noch mit der abgesetzten Zivilregierung geschlossen worden.

China unterstützt Militärs

Die Protestierenden in Myanmar und deren Unterstützer im Ausland wollen das Militärregime wirtschaftlich unter Druck setzen, um eine Rückkehr zur Demokratie zu erzwingen. Wenn sich der Machtapparat mangels Geld nicht mehr finanzieren kann, könnte das ein wirksames Mittel sein, lautet das Kalkül. Allerdings werden die Militärs vor allem aus China unterstützt. Ob der Geldhahn wirklich zugedreht wird, ist deswegen fraglich.

Für G&D sind Aufträge aus Myanmar von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. Für die politisch traditionell sehr zurückhaltende Branche der Notendrucker ist der Lieferstopp dennoch bemerkenswert.

Geldnotendruck wichtigstes Standbein von G&D

Der Druck von Banknoten wie dem Euro ist für die Münchner das wichtigste Standbein des Geschäfts, obwohl digitale Technologien zum sicheren Bezahlen im Internet immer mehr an Bedeutung gewinnen. So führt G&D aktuell Pilotprojekte, die eine Einführung digitaler Währungen zum Ziel haben, für diverse Zentralbanken durch. Einen digitalen Euro könnte es zum Beispiel ab 2026 geben.

Durch die Pandemie ist G&D als systemrelevantes Unternehmen bislang relativ gut gekommen. Die Auftragseingänge sind 2020 im Vorjahresvergleich sogar um 6 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gestiegen, gab der Vorstandsvorsitzende bekannt. Der Umsatz ging wegen coronabedingter Verzögerungen um 5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zurück. Der Grund für die Halbierung des Jahresüberschusses auf 43 Millionen Euro liegt allerdings weniger in der Pandemie begründet als vielmehr in Währungseffekten. Diese brachten ein negatives Finanzergebnis mit sich. Hinzu kamen einmalige Steuereffekte.

Beschäftigung stabil

Ende 2020 arbeiteten unverändert knapp 11.500 Beschäftigte für den Konzern, davon rund 4000 Menschen in Deutschland. 2021 wollen die Münchner Umsatz und Gewinn annähernd halten.

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