Digitales Leben RHEINPFALZ Plus Artikel Künstliche Intelligenz: Die Assistenten sollen klüger werden

Der neue Echo-Hub bietet ein 8-Zoll-Display. Eingebaut sind Näherungs- und Lichtsensor, dazu eine Kamera und drei Mikrofone.
Der neue Echo-Hub bietet ein 8-Zoll-Display. Eingebaut sind Näherungs- und Lichtsensor, dazu eine Kamera und drei Mikrofone.

Seit 2014 gibt es virtuelle Assistenten. Siri, Cortana und Alexa stehen aber seit Kurzem unter dem Druck immer neuer künstlicher Intelligenzen. Nun soll nachgerüstet werden. Und Amazon legt vor.

Amazon hat eine neue Generation von Echo-Geräten präsentiert, dazu ein frisches Fire TV, einen Smart-Home-Hub und neue Tablets. Die weitreichendste Innovation ist aber ein neues Alexa, das mit einer von Amazon entwickelten künstlichen Intelligenz eine neue Ära der virtuellen Assistenten einläuten soll. Amazon reagiert damit auf Dienste wie Chat GPT oder Google Bard, die auf Basis großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) gesprochene Dialoge mit dem Nutzer ermöglichen. Bisherige LLM neigten allerdings dazu, Wissenslücken mit Erdichtetem zu füllen. Die Unsitte will Amazon seinem neuen System ausgetrieben haben.

Neue Sprach-Engine angekündigt

Natürlich soll Kommunikation nun schneller möglich sein. Das scheint zu klappen, aber leider noch nicht in Deutschland, weil dazu die Daten lokal verarbeitet werden müssen. Eine nützliche Funktion ist die Option, sowohl Sprachanrufe wie Videotelefonate auf dem Display nahezu verzögerungsfrei mit Untertiteln anzeigen zu lassen. Neben Deutsch stehen auch Englisch, Französisch und Spanisch zur Verfügung.

Wir dürfen auf all das noch etwas warten. In den USA soll der KI-Assistent zügig, also mit Sicherheit vor dem Weihnachtsgeschäft zur Verfügung stehen. Amazon setzt zudem auf langfristige Weiterentwicklung. So soll eine neue Sprach-Maschine für die Erzeugung gesprochener Sprache aus Texteingaben (Text-to-Speech-Übersetzung) Anfang 2024 zum Einsatz bereit sein. Bei der offiziellen Präsentation wurden die Geladenen mit einer Charakter-KI überrascht. Die kann – hinreichend Hintergrundwissen vorausgesetzt – berühmte Personen wie den Philosophen Sokrates simulieren.

Neue Tablets

Die Tablet-Familie bekommt einigen Zuwachs: Fire HD 10, Fire Max 11 und die beiden Modelle für Kinder, Fire HD 10 Kids und KidsPro setzen wie üblich auf enge Anbindung an das Amazon-Universum. Barrierefreiheit heißt die Losung bei einer sehr smarten Funktion des neuen Fire Max 11. Das Tablet lässt sich dank eines neuen „View Mode“ mit den Augen steuern. Dafür beobachtet die Kamera die Augenbewegungen des Nutzers.

Ansehnlich ist eine neue Generation des Echo Show 8. Das smarte Display sieht eleganter aus, hat einen schnelleren Chip, und das Touch-Display soll sensibler auf Berührungen reagieren. Auch der Klang soll verbessert sein, was Amazon „3D-Audio“ nennt. Ein Echo 8 auf dem Tisch soll auch als Videotelefonzentrale dienen. Das dürfte dank einer 13-Megapixel-Kamera komfortabel klappen. Für Privatsphäre sorgen eine Kameraabdeckung und ein Schalter für das eingebaute Mikrofon. Praktisch ist eine Distanzerkennung zum jeweiligen Nutzer. Sitzt der weiter weg, werden Inhalte auf dem Display vergrößert dargestellt. Das Gerät wird Ende Oktober für 170 Euro verfügbar sein.

Amazons Smart-Hub

Das smarte Zuhause für alle ist immer noch das große Amazon-Projekt. Passend dazu gibt es ein Smart-Hub. Als Hub bezeichnet man einen Knotenpunkt in einem Netzwerk; er verbindet mehrere Geräte, die daraufhin untereinander kommunizieren können. Amazons Smart-Hub sieht wie ein Tablet aus, wird auch so bedient, soll aber vor allem als Schaltzentrale dienen, auf der alle Informationen über den Status der Wohnräume gezeigt werden – so denn die passende Sensortechnik installiert ist.

Angesichts der Vielfalt der Smart-Home-Anbieter gibt sich der Amazon-Smart-Hub flexibel: Er versteht sich mit Geräten von Zigbee und Thread, unterstützt Bluetooth, aber auch den neuen Matter-Standard, an dem eine Projektgruppe aus Amazon, Apple, Google, Comcast und Zigbee mitgearbeitet hat und der endlich etwas mehr Vereinheitlichung ins clevere Haus bringen soll. Immerhin versteht er sich mit gegenwärtig etwa 140.000 Smart-Home-Geräten. Der Preis des Smart-Hub wird bei 200 Euro liegen.

Microsoft setzt „Copilot“ ein

Was treibt die Konkurrenz? Microsoft hat parallel zu Google angekündigt, seinen Cortana-Assistenten auszumustern und stattdessen eine selbst entwickelte KI einzusetzen. Die heißt „Copilot“. Das Programm soll in Kürze der persönliche Assistent auf jedem Windows-Rechner werden. Er wird in alle Programme und das Betriebssystem eingebunden. Der Copilot kann Funktionen übernehmen, wie sie von Chat GPT geläufig sind. Darüber hinaus greift die KI auf die konzerneigene Suchmaschine Bing zu. So stehen auch aktuelle Nachrichten für die Sprachausgabe der KI zur Verfügung.

Und weil Copilot ein ganz persönlicher Assistent sein soll, werden auch die Informationen von Mails, dem Kalender oder der Inhaltssuche in eigenen Dokumenten in den Dienst eingebunden. Für das Homeoffice bedeutet das: Mails können automatisiert geschrieben, ganze PowerPoint-Präsentationen nach gesprochenen Anweisungen („Prompts“) erstellt werden. Damit zieht Microsoft mit KI-Konkurrent Google gleichauf. Deren Bard-KI soll auch auf alle Google-Anwendungen zugreifen und bei der Planung von Buchungen, Bestellungen und Reisen helfen.

Warten auf Apple

Und Apple? Assistent Siri, Jahrgang 2014, hat sich wenig weiterentwickelt. Insider mutmaßen, dass hier von Grund auf etwas Neues entwickelt werden muss. Viele warten.

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