Griechenland RHEINPFALZ Plus Artikel Investoren machen Geld locker

Der Fremdenverkehr soll als Konjunkturlokomotive wirken.
Der Fremdenverkehr soll als Konjunkturlokomotive wirken.

Lange machten ausländische Investoren einen großen Bogen um Griechenland. Der chronische Krisenstaat schien zu riskant. Das ändert sich. Gute Wachstumsaussichten und eine wirtschaftsfreundliche Regierung machen das Land attraktiv.

Als Griechenland 2015 den Hafen von Piräus zur Privatisierung ausschrieb, winkten fast alle Investoren ab. Das Land steckte tief in der Staatsschuldenkrise. Einziger Interessent war der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco. Er bekam den Zuschlag und konnte 2016 mangels Konkurrenz 51 Prozent der Hafengesellschaft zum Schnäppchenpreis von 368,5 Millionen Euro übernehmen. Die Investition hat sich gelohnt – für die Chinesen und für Griechenland. Der Containerumschlag hat sich seit der Übernahme fast verdoppelt. Heute ist der Hafen eine wichtige Drehscheibe der Neuen Seidenstraße. Von Rang zehn in Europa rückte Piräus beim Containerverkehr auf Platz vier vor.

Klima spürbar verbessert

In den nächsten Wochen wird Cosco weitere 16 Prozent der Anteile an der Hafengesellschaft übernehmen und damit mehr als zwei Drittel der Aktien besitzen. Inzwischen entdecken auch andere ausländische Investoren das einstige Krisenland. Seit der konservative Premier Kyriakos Mitsotakis im Juli 2019 die Regierung übernahm, hat sich das Investitionsklima spürbar verbessert. Mitsotakis verfolgt eine wirtschaftsfreundliche Politik: Steuersenkungen, Bürokratieabbau, Strukturreformen, Digitalisierung.

Zwölf Plätze nach oben

„Als wir die Regierung übernahmen, lag Griechenland bei den ausländischen Investitionen in Europa auf Platz 35“, erläutert Wirtschaftsminister Adonis Georgiadis. „In unserem ersten Regierungsjahr ist das Land auf Platz 29 vorgerückt, im zweiten auf Platz 23 – trotz der Pandemie“, unterstreicht Georgiadis.

Corona traf Griechenland zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Das Land begann sich gerade von den Folgen der Schuldenkrise zu erholen, als das Virus für einen neuen Absturz sorgte. 2020 schrumpfte das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 8,2 Prozent. Aber inzwischen geht es wieder aufwärts. Das BIP legte im ersten Vierteljahr 2021 gegenüber dem Vorquartal um 4,4 Prozent zu. Damit ist Griechenland ein besserer Jahresauftakt gelungen als den meisten anderen Euro-Staaten.

Für die Solidität des Aufschwungs spricht, dass er vor allem auf das Konto der Investitionen geht. Sie legten im Jahresvergleich um 8,6 Prozent zu. Nach einer Studie des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young (EY) sind die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Griechenland 2020 um 77 Prozent gewachsen. Der Anteil des Landes an den FDI in Europa verdoppelte sich damit. Für 2022 erwartet die Regierung einen Investitionsschub von 30 Prozent.

Ohne Tourismus geht nichts

Der Tourismus ist eine wichtige Säule der griechischen Wirtschaft. Er steuert in guten Jahren mehr als 20 Prozent zum BIP bei und sichert jeden fünften Arbeitsplatz. 2017 übernahm Fraport für 1,24 Milliarden Euro die Betriebskonzessionen für 14 griechische Regionalflughäfen, eine der bisher größten deutschen Investitionen in Griechenland. Jetzt sucht der Staat private Betreiber für weitere 23 Airports.

Nach dem Ende der Pandemie hofft Griechenland auf den Fremdenverkehr als Konjunkturlokomotive. Die Regierung Mitsotakis will aber die Weichen zu einer breiteren Diversifizierung stellen, um ein nachhaltiges Wachstum zu sichern. Eine der Prioritäten ist die Ansiedlung von Firmen der Informationstechnologie.

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