Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Inflation: Neuland für die Lohnverhandler

Steigende Preise bei gleichbleibendem Lohn bedeutet geringere Kaufkraft für Arbeitnehmer.
Steigende Preise bei gleichbleibendem Lohn bedeutet geringere Kaufkraft für Arbeitnehmer.

Die hohen Inflationsraten stellen nach Jahrzehnten stabiler Preise eine Herausforderung für die anstehenden Tarifrunden dar.

Es ist so etwas wie der perfekte Sturm, der sich derzeit über Verbrauchern und Unternehmen – nicht nur in Deutschland – zusammenbraut. Enorm steigende Kosten für Energie, dazu anhaltende Probleme in den weltumspannenden Lieferketten und Knappheit bei zahlreichen Rohstoffen führen dazu, dass unterm Strich die Preise in einem seit Jahrzehnten nicht gekannten Ausmaß steigen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Für Arbeitnehmer hat das zur Folge, dass ihr Einkommen zwar nominal gleich bleibt, sie sich aber für ihren Lohn weniger kaufen können. Da ist es nicht überraschend, wenn die Gewerkschaften, wie nun die IG BCE, in Tarifverhandlungen Lohnabschlüsse erzielen wollen, die diese Kaufkraftverluste ausgleichen. Ebenso erwartbar ist die Warnung, durch zu hohe Abschlüsse werde die Inflationsentwicklung zusätzlich befeuert und eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt.

Lohnkostenanteil in der Chemie eher niedrig

Nun lässt sich zu Recht einwenden, dass die deutschen Gewerkschaften ihrer Verantwortung als Tarifvertragsparteien in den vergangenen Jahrzehnten im Großen und Ganzen gerecht geworden sind, ihr Blatt also selten überreizt haben. Wahr ist aber auch, dass die Gewerkschaften – wie Arbeitgeber und Politik – durch die derzeitigen Preissteigerungsraten vor einer Situation stehen, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Inflation schien der Vergangenheit anzugehören. Nach deren Rückkehr betreten jetzt alle Beteiligten Neuland.

Mit Blick auf die Chemie ist davon auszugehen, dass hier am Ende trotz der neuen Lage ein für alle Seiten akzeptabler Kompromiss stehen wird. Die Suche danach dürfte dadurch erleichtert werden, dass die Löhne in weiten Teilen der Branche einen vergleichsweise geringen Anteil an den Gesamtkosten der Unternehmen bilden.

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