Wirtschaft In Pfälzer Zügen sind Zugbegleiter gern gesehen
Nachdem die Deutsche Bahn (DB) lange Zeit die Präsenz von Schaffnern in ihren Zügen immer weiter reduziert hatte, gibt es seit einigen Jahren eine Trendwende. In immer mehr Zügen fahren nun aufgrund entsprechender Regelungen in den Verkehrsverträgen Zugbegleiter mit. Bei den meisten Fahrgästen kommt das gut an.
Bei der S-Bahn Rhein-Neckar haben dank dem neuen Verkehrsvertrag seit Dezember 2016 in der Pfalz sämtliche Züge ab 19 Uhr einen Zugbegleiter, im baden-württembergischen Teil des S-Bahn-Netzes ist es allerdings nur jeder zweite. Vor allem für diese Abendschichten wurden seit 2015 zahlreiche Teilzeitbeschäftigte eingestellt, die eine dreimonatige Ausbildung durchlaufen. Bisher haben rund 160 Mitarbeiter diese Ausbildung absolviert, in der sie unter anderem die auch für Fachleute nicht immer ganz einfachen Tarifbestimmungen der DB und der Verkehrsverbünde lernen.
Gülperi Erdogan schafft bestmögliches Ergebnis
Bei der schriftlichen Abschlussprüfung haben bisher nur zwei von den rund 160 das bestmögliche Ergebnis von 100 Prozent erzielt. Eine davon war Gülperi Erdogan als Beste des jüngsten Ausbildungslehrgangs. Ihr Chef Thomas Hippauf, Arbeitsgebietsleiter für die Pfalz und die Rhein-Neckar-Region bei DB Regio Mitte in Mannheim, hält große Stücke auf die 28-jährige Kurdin, die in Ludwigshafen-Ruchheim wohnt. Bei der praktischen Arbeit habe sie einen genauso überzeugenden Eindruck gemacht wie in der schriftlichen Prüfung. Gülperi Erdogan, die oft Heiterkeit auslöst, wenn sie klarstellt, dass sie mit dem türkischen Politiker weder verwandt, noch verschwägert ist, kam mit zwei Jahren zusammen mit ihren Eltern nach Deutschland. Inzwischen hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft (und keine andere). Sie hat an der Integrierten Gesamtschule in Mutterstadt Abitur gemacht und ist ausgebildete Immobilienkauffrau. Die Arbeit in dem Beruf gefiel ihr jedoch nicht. Eine gute Bekannte schlug ihr dann vor, sich bei DB Regio als Zugbegleiterin zu bewerben. Gülperi Erdogan sieht in der DB ein zukunftsorientiertes Unternehmen und einen „Super-Arbeitgeber“, bei dem sie gerne länger bleiben möchte. Seit Anfang August hat sie eine 64-Prozent-Stelle als KiN. Hippauf sieht in ihr aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen eine „Potenzialträgerin“, die gute Perspektiven auf Förderprogramme habe.