Wirtschaft ICE-Verkehr teils stark gestört

«Ludwigshafen.» Im Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) gibt es weiterhin erhebliche Probleme – insbesondere mit den ICE, die erst kürzlich mit der neuen Leittechnik ETCS ausgerüstet wurden. Betroffen davon ist auch die ICE-Linie von München über Mannheim nach Berlin. Gestern fielen bundesweit rund 20 ICE-Züge teilweise ersatzlos aus.
Dabei kamen mehrere Faktoren zusammen. Wegen des Schnees am Sonntag, der zu ungewöhnlich starker Eisbildung und Schäden an Fahrzeugen geführt hatte, waren laut DB 16 ICE außer Gefecht gesetzt, die nun nach und nach repariert werden müssen. Ein Sonderproblem gibt es bei den ICE 1, die auch auf der ICE-Linie von München über Mannheim nach Berlin eingesetzt werden. Hier fiel gestern der im morgendlichen Berufsverkehr nach Frankfurt besonders stark frequentierte ICE 694 um 7.32 Uhr ab Mannheim nach Berlin aus. Dasselbe galt in der Gegenrichtung für den IC 691 um 13.28 Uhr ab Berlin über Mannheim nach München. Wie berichtet, sind auf den beiden Neubaustrecken von Erfurt nach Ebensfeld bei Bamberg und von Erfurt nach Leipzig nur Fahrzeuge zugelassen, die über das neue Leitsystem ETCS (European Train Control System) verfügen. Während es mit den ICE der Baureihe 411, die schon seit über zwei Jahren ETCS haben, derzeit kaum größere Probleme gibt, kommt es bei den erst kürzlich damit ausgerüsteten ICE 1 und ICE 3 immer wieder zu Störungen. Wie berichtet, war davon bereits einer der Eröffnungssonderzüge auf der Rückfahrt von Berlin nach München am vergangenen Freitagabend massiv betroffen. Die Probleme mit dem ICE 1 fallen besonders ins Gewicht, weil etwa alle zwei Stunden ein Zug dieses Typs sowohl zwischen München und Berlin über Erfurt als auch zwischen Mannheim und Berlin über Erfurt fährt. Gestern musste mit dem ICE 706 erneut ein Zug offenbar wegen einer ETCS-Störung zwischen Nürnberg und Erfurt den zeitraubenden Umweg über Fulda nehmen. Alles in allem sind 110 ICE mit dem ETCS für die beiden Neubaustrecken ausgerüstet, darunter sind 30 ICE 1. Zu den Problemen mit den Fahrzeugen kam auch gestern, wie schon am vergangenen Sonntag, wieder ein „Notarzteinsatz am Gleis“ (oft die offizielle Formulierung für einen Suizid) – diesmal bei Langenselbold auf dem extrem stark befahrenen Abschnitt zwischen Hanau und Fulda, wo pro Stunde mindestens sechs ICE fahren. Die durch solche Ereignisse ausgelösten Verspätungen schleppen sich meist noch stundenlang durch das deutsche Fernverkehrsnetz und sorgen oft dafür, dass die Pläne für den Fahrzeug- und Personaleinsatz durcheinander geraten.