Finanz-Tipp
Hohe Zinsen als Lockmittel – die Tricks der Anlagebetrüger
Die langen Nullzins-Jahre sind vorbei – und Sparer nehmen jede Zinserhöhung freudig wahr. Allzu gierig und unvorsichtig sollte aber niemand bei der Geldanlage sein. Denn neuerdings locken auch Kriminelle mit scheinbar lukrativen Renditen.
Darauf machen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) und die Verbraucherzentralen aufmerksam. Der Trick der Gangster: Sie animieren ihre Opfer dazu, Spar-Gelder auf ein falsches, angeblich gut verzinstes Festgeld-Konto im Ausland einzuzahlen. Die ausländische Bank gibt es zwar – aber Zugriff auf das Konto haben die Betrüger, die sich den Sparern gegenüber als Vermittler zur Bank ausgeben.
Täuschend echte Formulare
Festgelder sind eine Alternative zum Tagesgeld. Der Unterschied ist, dass der Kunde für eine bestimmte Zeit über den Geldbetrag nicht verfügen kann. Dafür ist der Zinssatz meist etwas höher. Die Anlagedauer liegt zwischen einem Monat und mehreren Jahren. Das ist kein Problem, solange der Anleger liquide ist – und der Anbieter und Vermittler seriös sind. Das ist in aller Regel der Fall, aber eben nicht immer. „Hier muss man genau prüfen, ob der Vermittler überhaupt am Markt tätig ist“, sagt Sibylle Miller-Trach von der Verbraucherzentrale Bayern.
Laut Bafin wurden Verbrauchern Festgeld-Anlagen bei bekannten ausländischen Kreditinstituten angeboten. Die Anbieter behaupteten, ein Abschluss sei „nur unter ihrer intensiven Mitwirkung und Vermittlung möglich“. Sie forderten die Verbraucher auf, ihnen die zur Kontoeröffnung benötigten Identifikationsunterlagen zu übersenden, also etwa eine Kopie des Personalausweises.
Anschließend teilten sie den Verbrauchern die Nummer des angeblich für sie eröffneten Kontos mit. „Nach der Überweisung des Anlagebetrags stellt sich jedoch heraus, dass es sich nicht um das auftragsgemäß eröffnete Konto handelt und das Kapital verloren ist“, warnt die Bafin, die von einer Häufung entsprechender Betrugsversuche in jüngster Zeit spricht.
Nach den Erfahrungen der Verbraucherzentralen erfolgt die angebliche Vermittlung zu Banken im Ausland entweder über Beratungsfirmen oder Webportale, die nur aus Betrugsabsichten eingerichtet würden. Wer mit den Anbietern Kontakt aufnehme, erhalte „täuschend echt wirkende Antragsformulare“ der vermeintlichen Partnerbanken oder werde online zu einem gefälschten Kontoeröffnungsantrag im Internet geleitet.
4,25 Prozent Guthaben-Zinsen – Vorsicht!
Sparer, die Geld überweisen, zahlten es zwar bei einer realen Bank ein – aber auf ein Konto, das auf den Namen der Betrüger läuft. Das sei möglich, weil die Banken bei Überweisungen nicht prüfen müssten, wem das Konto gehört. Außerdem wüssten die Partnerbanken in aller Regel nichts von einer Kooperation mit den angeblichen Vermittlern.
Den Verbraucherzentralen zufolge werben die Betrüger mit Konditionen, die gemessen an seriösen Angeboten zwar „sehr gut sind, gleichzeitig aber nicht utopisch“. Stutzig werden sollten Sparer jedoch bereits, wenn ihnen derzeit beispielsweise 4,25 Prozent für ein 12-monatiges Festgeld angeboten werden, raten die Verbraucherschützer. Zum Vergleich: Laut Marktübersicht der FMH-Finanzberatung in Frankfurt gibt es bei Spitzeninstituten aktuell bis zu rund 3,5 Prozent für ein 12-Monats-Festgeld. Ausländische Institute sind dabei berücksichtigt.
Über Vermittler informieren
Wer einen Vermittler einschalten wolle, sollte sich nicht von vertrauenswürdig wirkenden Webauftritten beeindrucken lassen, sondern sich über ihn vorab informieren, empfehlen die Verbraucherzentralen. So könne in der Bafin-Unternehmensdatenbank nachgesehen werden, ob der Anbieter dort aufgeführt ist und damit die Zulassung für Finanzdienstleistungen in Deutschland hat. Ist das nicht der Fall, sei dies ein Anzeichen für betrügerisches Arbeiten.
Außerdem könnten die Sparer auch direkt bei der Bank im Ausland nachfragen, ob sie mit dem Finanzvermittler in Verbindung steht. Besonders aufmerksam sollten sie sein, wenn die Geschäftsadresse des Vermittlers im Ausland liegt oder die Bank keine gründliche Legitimitätsprüfung bei der Kontoeröffnung vornimmt, empfehlen die Verbraucherschützer.
Ein Tipp: Über Ermittlungen in konkreten Fällen informiert die Bafin auf ihrer Webseite (www.bafin.de, Rubrik Verbraucher, Warnungen und Aktuelles). Die Aufsichtsbehörde weist darauf hin, dass sie – ebenso wie das Bundeskriminalamt und die Landeskriminalämter – generell dazu rät, „bei Geldanlagen im Internet äußerst vorsichtig zu sein“.