Griechenland RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffnung auf „grünen Wasserstoff“

Das Braunkohlekraftwerk Agios Dimitrios in Nordgriechenland ist das leistungsstärkste Dampfkraftwerk in Griechenland und soll bi
Das Braunkohlekraftwerk Agios Dimitrios in Nordgriechenland ist das leistungsstärkste Dampfkraftwerk in Griechenland und soll bis Ende 2022 stillgelegt werden.

Die griechische Regierung schaltet die Braunkohlekraftwerke früher ab als geplant. Den Kohleausstieg will das Land mit der klimaneutralen Produktion von Wasserstoff flankieren. Der Plan ist Teil einer ambitionierten Klima-Agenda von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis.

Die Schlote rauchen nicht mehr im nordgriechischen Kardiá. Im Mai ging das älteste Braunkohlekraftwerk des Landes vom Netz. Damit kommt Griechenland dem Kohleausstieg einen Schritt näher. Ursprünglich wollte die staatliche Public Power Corp. (PPC), Griechenlands größtes Energieunternehmen, 2028 die Kohleverstromung beenden. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis kündigte an, den Ausstieg um drei Jahre vorzuziehen.

Der beschleunigte Abschied von der Braunkohle ist Teil einer ambitionierten „Grünen Agenda“ des Post-Pandemie-Aufbauprogramms. Mit einem Pilotprojekt will eine Gruppe von Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Griechenlands größtem Braunkohlerevier West-Makedonien demonstrieren, wie ein Übergang von der Kohleverstromung zur klimaneutralen Wasserstoffproduktion aussehen kann. Das Vorhaben soll zwischen 2022 und 2029 umgesetzt werden und 8,1 Milliarden Euro kosten. Die Initiatoren hoffen auf eine finanzielle Förderung der EU.

EU-Klimaziele große Herausforderung

Grüner Wasserstoff soll eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Klimaziele der Europäischen Union spielen. Er gilt vor allem in der industriellen Anwendung bei der Stahlproduktion, in der Chemieindustrie und in den Transportsystemen als unverzichtbar für einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Griechenland ist wegen seines großen Potenzials an Solar- und Windenergie ein idealer Standort für die klimaneutrale Wasserstoffproduktion. Bis 2030 sollen 67 Prozent des in Griechenland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energieträgern kommen, sagt Kostas Skrekas, der griechische Minister für Umwelt und Energie.

Die Umsetzung der EU-Klimaziele ist für das Land aber eine große Herausforderung. Vor 20 Jahren war Griechenland noch Europas viertgrößter Braunkohleförderer. Damals kamen 70 Prozent des griechischen Stroms aus Kohlekraftwerken. In den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es nur noch 13 Prozent. Nicht nur die Regierung macht Druck. Auch der Stromkonzern PPC will die Braunkohlekraftwerke wegen der rasant steigenden Preise der CO2-Zertifikate möglichst schnell vom Netz nehmen.

Projekt soll bis zu 29.500 Arbeitsplätze schaffen

Eine der großen politischen Herausforderungen ist, den Ausstieg ökonomisch und sozial abzufedern. Griechenlands größtes Braunkohlerevier liegt in West-Makedonien. Dort hängen ein Fünftel der Wirtschaftsleistung und 10.000 Jobs an der Kohle. Das Ausstiegsprojekt kann nach Berechnungen der Planer direkt 18.000 und mittelbar weitere 29.500 Arbeitsplätze schaffen. Es soll dafür sorgen, dass West-Makedonien auch nach der Abschaltung der Kohlekraftwerke seine Rolle als Kernregion der griechischen Energieversorgung behält.

Das Besondere an dem Vorhaben ist, dass es in großem Maßstab die gesamte Wertschöpfungs- und Lieferkette darstellt, von der Gewinnung des Solarstroms, der für die Herstellung des Wasserstoffs benötigt wird, über den Transport und die Lagerung bis zur Nutzung beim Endverbraucher. Den Strom für die Wasserstoff-Elektrolyse soll eine Photovoltaik-Anlage in den stillgelegten Abbaugebieten liefern. Über die bestehende Trans Adriatic Pipeline (TAP) könnte der Wasserstoff als Beimischung zu Erdgas nach Italien gepumpt und dort in das europäische Leitungsnetz eingespeist werden.

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