Zur Person
Hoechst-Zerleger Dormann wird 80
In Deutschland galt Jürgen Dormann lange Zeit als bestgehasster Manager, nachdem er 1999 den traditionsreichen Frankfurter Chemiekonzern Hoechst eiskalt zerlegt und die Pharma-Aktivitäten mit dem französischen Arzneimittelhersteller Rhône-Poulenc zu Aventis fusioniert hatte. Am Sonntag wird Dormann 80.
Dormanns Aventis hatte keinen Bestand und landete rasch unter dem Dach des französischen Konkurrenten Sanofi. Der Hoechst-Schock sorgte auch bei Mitarbeitern der Chemieriesen BASF in Ludwigshafen und Bayer in Leverkusen für Unruhe und Besorgnis. Tatsächlich hat die BASF inzwischen viele Bereiche ausgegliedert und teilweise schon verkauft wie die Pigmentsparte, die Bauchemie, Düngemittel, Polyolefin- und Styrolkunststoffe, Pharma oder die Öl- und Gassparte. Und Bayer hat sich auf Pharma und Agrochemie konzentriert, während Chemie (Lanxess) und Kunststoffe (Covestro) abgespaltet wurden. Aber im Unterschied zu Hoechst gibt es die BASF und Bayer noch.
Mit dem Rad zu den Spielen des SV Waldhof gefahren
Jürgen Dormann wurde in Heidelberg geboren und ist dort als waschechter Kurpfälzer aufgewachsen. Zu den Spielen des SV Waldhof ist er früher mit dem Rad nach Mannheim gefahren. Nach der Hoechst-Zerlegung hat er seinen Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlagert.
1994 wurde der Volkswirt Hoechst-Chef. 2002 rückte er an die Spitze des Züricher ABB-Konzerns, den der schwedische Manager Percy Barnevik und einige Nachfolger an den Rand der Pleite manövriert hatten. In der Schweiz gilt Dormann heute noch als Retter des Technologiekonzerns ABB. 2004 zog er sich aus der ABB-Konzernführung zurück und führte bis 2007 den Verwaltungsrat. Danach leitete er bis 2009 das Aufsichtsgremium des Schweizer Zeitarbeitskonzerns Adecco.