Konjunktur Historischer Rückgang der Wirtschaftsleistung in Rheinland-Pfalz

IM Gastgewerbe gingen die Umsätze in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verglichen mit der Vorjahreszeit um 39,6 Prozent zur
IM Gastgewerbe gingen die Umsätze in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verglichen mit der Vorjahreszeit um 39,6 Prozent zurück.
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Rheinland-Pfalz erlebt wegen der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr den größten Wirtschaftseinbruch in der Nachkriegsgeschichte. Doch es gibt auch Anlass für Hoffnung.

Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren in der rheinland-pfälzischen Wirtschaft hinterlassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im ersten Halbjahr gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 5,7 Prozent, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag in Mainz mitteilte. „Das ist das Extremste, was wir in der Nachkriegsgeschichte erlebt haben“, sagte Landesamt-Präsident Marcel Hürter.

Der Rückgang der Wirtschaftsleistung in dem Bundesland fiel nach vorläufigen Berechnungen aber etwas milder aus als der Bundesdurchschnitt von 6,6 Prozent. Dies liege vor allem an der Wirtschaftsstruktur: Die Vorleistungsgüterindustrie, die in Rheinland-Pfalz mehr als die Hälfte des gesamten Industrieumsatzes erbringe (Deutschland: 36 Prozent), sei von dem Konjunktureinbruch weniger betroffen als die Investitionsgüterindustrie.

Geringster Einbruch in Schleswig-Holstein

Verglichen mit dem Abschwung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 (minus 5,0 Prozent) fiel der coronabedingte Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr nach Angaben der Statistiker nur wenig kräftiger aus – entgegen ersten Erwartungen. Mit dem Rückgang von 5,7 Prozent liegt Rheinland-Pfalz im bundesweiten Vergleich auf dem sechsten Platz. Am geringsten war der Einbruch in Schleswig-Holstein mit minus 3,8 Prozent, danach folgen Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Mit einem Minus von 8,7 Prozent ging die Wirtschaftsleistung in Rheinland-Pfalz in dem von den Auswirkungen der Pandemie besonders belasteten zweiten Quartal weitaus stärker zurück als im ersten Vierteljahr (2,7 Prozent).

Der Rückgang hat die drei wichtigsten Industriebereiche in Rheinland-Pfalz unterschiedlich erfasst: Die Chemie war mit einem Umsatzminus von 10,2 Prozent im ersten Halbjahr weniger stark betroffen als die Automobil-Industrie mit minus 21,1 Prozent und der Maschinenbau mit minus 17,9 Prozent. Positiv entwickelte sich dagegen das Baugewerbe mit einem Umsatzplus von 9,3 Prozent.

Gastgewerbe hart getroffen

Unter dem Wirtschaftseinbruch hatte das Gastgewerbe besonders zu leiden: Dort gingen die Umsätze in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verglichen mit der Vorjahreszeit um 39,6 Prozent zurück. So sank beispielsweise bei den Übernachtungen die Anzahl der Gäste aus dem Ausland zwischen April und Juni um 82,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch der Kfz-Handel erlebte mit einem Minus von 13,9 Prozent im ersten Halbjahr einen starken Rückgang.

Es gibt aber durchaus Branchen, die der Pandemie getrotzt haben. So habe der Einzelhandel mit Sportausrüstungen, Verlagserzeugnissen und Spielwaren vor allem dank der großen Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 19,2 Prozent erzielt, berichtete der Chef des Landesamt. „Auch die Heimwerkermärkte haben erkennbar profitiert, weil die Menschen die Gelegenheit genutzt haben, Investitionen in ihr Haus zu tätigen oder das eine oder andere wieder in Schuss zu bringen.“ In diesem Einzelhandelsbereich, zu dem auch Haushaltsgeräte und Textilien zählen, kletterte der Umsatz zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 9,1 Prozent.

Hoffnung auf Konsum

Die Statistik-Experten sehen bei all den düsteren Zahlen aber nicht schwarz. „Wir haben die Erwartung, dass die Dinge wieder besser werden“, sagte Hürter. Das hänge natürlich davon ab, dass sich die Krise nicht wieder verschärfe und neue Maßnahmen erforderlich seien. Was ihm Hoffnung mache: „Die Konsumenten haben ihre Zuversicht nicht verloren“, sagte der Landesamts-Chef.

„Wir sehen aus den Einzelstatistiken, dass sich der Monat Juni und der Juli erfreulich entwickelt haben, so dass man durchaus von einer Erholung sprechen kann“, sagte Hürter. „Umso gespannter sind wir, wie es jetzt weitergeht in diesem Jahr, insbesondere ob die Zuversicht der Konsumenten anhält und ob auch die Branchen, die besonders stark betroffen waren – wie die Automobil-Industrie – sich in der näheren Zukunft erholen können.“